Einst und heute. Auf den Spuren jüdischer Kultur

Text und Fotos: Reinhard A. Sudy

Der 27. Jänner (2015) war ein guter Anlass, um in der steirischen Landeshauptstadt auf eine erste Spurensuche nach sichtbarer jüdischer Geschichte, Erinnerung und Kultur zu gehen. In kurzen Bild-Text Geschichten erzähle ich von dem, was ich gefunden habe:

  • Grabstein im Grazer Burghof
  • Jüdischer Friedhof ...in Arbeit!
  • Synagoge
  • Wohnhaus von David Herzog
  • Fotogalerie, Links und Literatur

 

Stand: 27. März 2015.

Wohnhaus. Radetzkystraße 8

In diesem Haus lebte und arbeitete der Landesrabbiner von Steiermark und Kärnten, Dr. David Herzog (1869 Trnava - 1946 Oxford).

 

Gedenktafel zur Erinnerung

Die Gedenktafel an der Hausfassade des Wohnhauses erinnert ebenso an den von 1908 bis zu seiner Emigration 1938 in Graz tätigen Landesrabbiner wie der unauffällige David-Herzog-Platz, an dem die Synagoge wiedererrichtet worden ist.

 

Text der Inschrift

 

kommt demnächst!

Grabstein. Burghof

Ein eher zufällig ins öffentliche Bewußtsein gerückter Grabstein mit hebräischen Schriftzeichen im Grazer Burghof hat 1998 einen Ehrenplatz bekommen. Das Kleinod ist nun gut sichtbar in einer Mauernische gegenüber der gotischen Wendeltreppe untergebracht. Einer wissenschaftlichen Arbeit des Landesrabbiners David Herzog aus 1927 zufolge stammt der Grabstein für den Rabbi Nissim aus 1387.

 

Text der Inschrift

"Zum Klagelaut ward meine Zither, zum lauten Weinen ward mein Lied, denn hingeschieden ist mein Vater, mein Lehrer, Rabbi Nissim, Sohn des Rabbi Aaron, der in seine Ewigkeit eingegangen ist am 5. Tag der Woche, am 10. des Monats Tammus. Im Jahre 147 des 6. Jahrtausends*. Möge seine Seele eingebunden sein im Bunde des Lebens. Amen"

* nach unserer Zeitrechnung ist das der 17. Juni 1387 gewesen.

 

Grabsteine als Baumaterial

Das jüdische Viertel war einst in der südwestlichen Herrengasse, gegenüber der heutigen Stadtpfarrkirche, und im 15. Jahrhundert waren von den damals 5000 Grazern etwa 200 Juden. Eine erste Judenvertreibung 'zu ewigen Zeiten' aus Graz bzw. der Steiermark erfolgte 1496 unter dem Landesfürsten und späteren Kaiser Maximilian I.. Nach der zweiten 1570 wurde auch der Jüdische Friedhof aufgelassen und Grabsteine sind als Baumaterial verwendet worden. Kurios ist, dass der Grabstein von Rabbi Nissim bereits ein sichtbarer Mauerteil im ersten Innenhof der Grazer Burg gewesen ist, als der NS-Gauleiter Sigfried Uiberreither hier eine Zeitlang in residierte.

 

  

Quelle: Vojo Radkovic: Der vergessene Grabstein. In: derGrazer vom 16. Februar 2014. Seite 10.

Grazer Synagoge

Die erste Synagoge am Grieskai wurde 1892 eingeweiht. Rund 9600 Ziegel dieser 1938 zerstörten und niedergebrannten Synagoge fanden gemeinsam mit neuen Ziegeln, Stahlbeton und Glas Verwendung bei der Wiedererrichtung der Grazer Synagoge. Die Planung des Architektenehepaares Jörg und Ingrid Mayr folgte damit der Grundidee: „Die neue Synagoge erhebt sich aus den Ruinen der alten ...". Am kleinen, eigentlich leider nicht merkbaren David-Herzog-Platz an der südlichen Kreuzungsecke von Grieskai und Zweiglgasse erhebt sich heute über dem geometrisch orientierten, massiven Grundkörper die schlichte Konstruktion einer schönen Glaskuppel. Den besten Blick auf den eigenwillig-schönen Baukomplex und seine Einbettung in die Gebäudefolge am westlichen Murufer hatte ich, als ich mich über die Augarten-Brücke näherte. 

Jüdischer Friedhof

Leider ist die Friedhofsanlage aus Sicherheitsgründen nicht frei zugänglich. Durch die mit Ketten gesicherten Gittertore konnte ich aber einen ersten Blick auf die wie im Dornröschenschlaf liegende Grabanlage werfen. Der Schlüssel für den Eingang kann aber im Sekretariat der IKV Graz am David Herzog Platz 1 abgeholt werden.

 

 

Noch in Arbeit!

Literatur, Fotos und weiterführende Webseiten

Gerald Lamprecht (Hrsg.). Jüdisches Leben in der Steiermark

 

2015. Historiker und Kulturwissenschaftler präsentieren eine Sammlung von Beiträgen zur steirisch-jüdischen Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart: Markus J. Wenninger, Stephan Laux, Hermann Kurahs, Michael Schiestl, Gerald Lamprecht, Heimo Halbrainer, Robert Breitler, Eduard G. Staudinger, Dieter A. Binder, Gertraud F. Strempfl und Eleonore Lappin.

 

Jüdisches Leben in der Steiermark. Marginalisierung - Auslöschung - Annäherung.

StudienVerlag. Schriften des Centrums für Jüdische Studien Band 5. 294 Seiten. € 34,90.

www.ikg-graz.at | Israelitischer Kultusverein Graz

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