Ausgangspunkt Hauptplatz. Durch historische Gassen

Hier lesen Sie über einige der geschichtsträchtigen Straßen und Gassen im Herzen der Grazer Altstadt, die am Hauptplatz ihren Ausgangspunkt haben:

  • Sackstraße
  • Sporgasse
  • Schmiedgasse 

Sackstraße. Historischer Straßenzug und Kunstmeile

Text. Reinhard A. Sudy

Fotos: Patrick Kovacic, Reinhard A. Sudy

Sackstraße 22: Über dem Torbogen der „Alte Münze“ prangt ein kaiserlicher Doppeladler mit den Initialen „M.T.“ [für Maria Theresia]. Foto: Reinhard A. Sudy
Voller Leben und Geschäftigkeit
Gleich zu Beginn erinnert das seit 1852 hier bestehende Hotel Erzherzog Johann an den großen Förderer der Steiermark. Ein Stück weiter ist das 1906 gegründete Klavierhaus Streif zu Hause. Und die heutige Landschaftsapotheke hatte 1640 ihr Geburtsjahr. Neben dem sich bis in die jüngste Zeit architektonisch immer wieder interessant weiterentwickelnden Traditionskaufhaus Kastner & Öhler wird die Atmosphäre vor allem durch die zahlreichen kleinen Geschäfte, eine bunte Lokalszene und zahlreiche Kunst- und Antiquitätenläden, Museen, Galerien und Künstlerateliers geprägt. Letzteren verdankt die Sackstraße auch den Beinamen „Kunstmeile“.

 

Weitere Informationen

www.kunstmeile.at

 

Stand: Sommer 2008. Zuletzt ergänzt und aktualisiert im Juli 2014.

Veröffentlicht: Sacktraße. Historisches Zentrum und Kunstmeile. In: Gsund. Menschen helfen Menschen. Nr 58 Juni 2008. Seite 66.

Zu den Fotostrecken gleich unterhalb:

1. Reihe mit Gebäudefassaden und Eingangsportalen (von links) der

Sackstraße 8 | Bäckerei Wolfbauer

Sackstraße 18 | Stadtmuseum, ehemaliges Palais Khuenburg

Sackstraße 22 | Alte Münze

2. Reihe mit Infotafel und Eingangsportal des Stadtmuseums, einst Palais Khuenburg, Sackstraße 18

 

Ein Stück Sporgasse. "Fast" 450 Jahre Hofapotheke

Text und Fotos: Reinhard A. Sudy

Das 2010 neu gestaltete Geschäftslokal im Eckgebäude Sporgasse 10 / Färbergasse 1. (Foto: Sudy )

 

Anfangs sanft und dann steil ansteigend führt die Sporgasse vom Grazer Hauptplatz zum Karmeliterplatz. Ihren Namen hat sie von den Spornmachern (Sporer), die mit den Rüstungsmachern (Plattner) und Waffenschmieden hier zu Hause waren. Ich kenne ihre Häuser - mit den schönen Fassaden, winkeligen Stiegen und versteckten Hinterhöfen oder mit der Türkenfigur, die sich hoch oben aus einem kleinen Fenster des Palais Saurau hinauslehnt - seit meiner Kindheit: die Sporgasse war einer meiner Wege in die Volksschule und in den Stadtpark. Dennoch überrascht sie mich immer wieder.

Eckhaus Sporgasse 10 / Färbergasse 1

Vor kurzem noch schaute ich vor dem viergeschossigen Eckhaus Sporgasse 10 / Färbergasse 1 immer in den Himmel. Nach dem Auszug der Apotheke „Zum Goldenen Hirschen" (Hirschenapotheke) ist Nespresso in die restaurierten Räumlichkeiten eingezogen. Deren origineller Werbespot mit einem Klavier, das vom Himmel fällt, hat mich vorsichtig gemacht.

Dieses viergeschoßige Eckhaus soll in alten Aufzeichnungen als „Casparn Ströllers Pekhen Haus" erwähnt worden sein. Ich habe es noch als „Haus der Vandalen" in Erinnerung, in dem die Hirschenapotheke in den ebenerdigen Räumlichkeiten über Jahrhunderte ihren Sitz hatte. Ihre Einrichtung mit den alten Schränken und vielen, beschrifteten Läden und Fächern ist mir in angenehmer Erinnerung. Das kleine Wappen und die Gravour auf der Fassade des Erdgeschoßes verweisen auf ihre Gründung als Hofapotheke Erzherzog Karls II. von Innerösterreich im Jahre 1564. Wer einen Zugang zu den Stockwerken über den Geschäften sucht, kommt nur über den Eingang in der Färbergasse und den kleinen Hinterhof weiter.

Beeindruckt hat mich die bauliche Gestaltung des großen gewölbten Raumes, der so in der einstigen Hirschenapotheke nie zu sehen war. Fasziniert war ich auch von den weit gespannten niedrigen Bögen im hinteren Teil des Geschäftes, die in der Mitte von einer Steinsäule gestützt werden. Mittlerweile ist Nespresso ein Stück weiter gezogen und damit auch die Gefahr durch ein vom Himmel fallendes Klavier. 
      
Weitere Informationen
www.staedteforum.at | H. Hohmann: Reparatur eines Grazer Altstadthauses
www.stadtmuseumgraz.at  | Ständiges Angebot (Schausammlung des Apothekenmuseums)

 

Stand: 2010. Zuletzt geringfügig geändert im März 2012.

Gekürzt veröffentlicht: Grazer Kostbarkeiten: Ein Stück Sporgasse. In: Gsund. Die besten Seiten der KAGes. Nr. 67 September 2010. Seite 57.

Zur Fotostrecke gleich unterhalb:

In der 1. Reihe links das markante Eckhaus Sporgasse 10 / Färbergasse 1 mit dem kleinen Erker, recht weisen das steinerne Wappen und die Gravour auf die 1564 erfolgte Gründung der einst hier angesiedelten Hofapotheke Erzherzog Karls II. von Innerösterreich hin.

 

Schmiedgasse. Flaniermeile mit Geschichte

Text und Fotos: Reinhard A. Sudy

Schmiedgasse 25. © Reinhard A. Sudy

Die vom Grazer Hauptplatz bis zum Joanneumring führende Schmiedgasse ist heute großteils Fußgängerzone und eine beliebte Einkaufsstraße mit vielen, meist kleinen Geschäften und ebenso vielen Lokalen. Einst haben hier Handwerker wie Schmiede, Wagner, Spengler und Büchsenmacher gearbeitet und ihre Waren anboten.

 

Prachtvolle Palais

Viele Gebäude in dieser belebten und beliebten Gasse stehen heute unter Denkmalschutz. Darunter z. B. das einstige, 1722 erbaute Palais Kollonitsch, Schmiedgasse 21, das seinen Namen dem Grafen Otto Gottfried Kollonitsch verdankt. Dieser war ein Kämmerer von Erzherzog Leopold Wilhelm.

Schmal und hoch
Aber auch gut erhaltene alte Giebelhäuser, manche von ihnen mit Wappen oder mit Madonnen in Mauernischen geschmückt, prägen die Schmiedgasse. Hier ragt mit dem Gebäude Schmiedgasse Nr. 25 eines der wohl schmälsten Grazer Häuser drei Stockwerke in die Höhe.

„Polizei-Inspektion“
Etwa in der Gassenmitte, gegenüber der Einmündung der Stubenberggasse in die Schmiedgasse befand sich einst der bereits 1655 erwähnte Gasthof „Zum weißen Lamm“. Als „Lamplwirt“ findet er sich sogar in der Stadtchronik, da im Juli 1786 Kaiser Josef II. dort wohnte und speiste. Heute erhebt sich hier das wuchtige Grazer Amtshaus, in dem die Polizeiwachstube Schmiedgasse untergebracht ist. Über dem schönen Eingangstor ist noch die alte Bezeichnung „Polizei-Inspektion“ sichtbar.

Mehr zur Schmiedgasse
Edith Münzer, Alt-Grazer Spaziergänge: Edition Strahalm Graz 1996.

 

Stand: 2005. Zuletzt ergänzt und aktualisiert im September 2016.

Veröffentlicht: Grazer Kostbarkeiten. Schmiedgasse. In: Gsund. Menschen helfen Menschen. Nr 46 Juni 2005. Seite 46.

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