Peter Steinkellner. Leben zwischen Praxis und Kunst

Hier lesen Sie über

  • Stallhofen. Gustinus Ambrosi in Vorbereitung
  • Peter Steinkellner im Porträt

Bildhauer Gustinus Ambrosi. Blick in sein Landhaus

März 2019. Der in Eisenstadt geborene und in vielen europäischen Städten und Ländern wirkende Gustinus Ambrosi (1893-1975) war zu seiner Zeit einer der bedeutendsten Bildhauer, der Büsten gleich von drei Päpsten geschaffen hat. Seine bis ins kleinste Detail selbst geplante und gebaute Villa im wetsteirischen Stallhofen, nur wenige Schritte von der römisch-katholischen Pfarrkirche entfernt, ist seit 1985 als Ambrosi-Museum und Gedenkstätte im Besitz der Marktgemeinde Stallhofen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

 

Weiterlesen | Auf den Spuren von ...

Stallhofen. Gustinus Ambrosi und Peter Steinkellner

Text und Fotos: Reinhard A. Sudy

Landarztpraxis und Ambrosi-Museum. Für Dr. Peter Steinkellner ist die kleine weststeirische Marktgemeinde Stallhofen Heimat, Arbeitsplatz und durch den Künstler Gustinus Ambrosi ein Herzstück österreichischer Bildhauerkunst.

Eingebettet in die weststeirische Hügellandschaft liegen die von Wald- und Kulturflächen umgebenen kleinen Ortschaften der Marktgemeinde Stallhofen. Hier ist die Heimat des Landarztes Dr. Peter Steinkellner, und hier, hoch über der Ortschaft Stallhofen, hat der österreichische Bildhauer und Dichter Gustinus Ambrosi seinen geräumigen Alterssitz selbst entworfen und 1969 zu bauen begonnen.

Als Peter Steinkellner am 1. Februar 1954 im LKH Graz zur Welt kam, muß ihm seine spätere Leidenschaft zur Medizin und Kunst bereits in die Wiege gelegt worden sein. Wohlbehütet - sein Vater war Versicherungsbeamter und seine Mutter Hausfrau - wuchs er mit seiner Schwester Helga im Grazer Geidorf-Viertel auf. Hier besuchte er die Volksschule und Mittelschule. Gleich nach der Matura 1972 begann dann mit dem Medizinstudium an der Karl-Franzens-Universität Graz und der Promotion 1979 seine Bilderbuchlaufbahn bis zum Landarzt in Stallhofen. Wissbegierig wie er war arbeitete Peter Steinkellner so nebenbei eine Zeit lang halbtags als Studienassistent an der Histologie. Gerne erinnert er sich auch an die Zeit, als er an einigen steirischen Landesspitälern zum praktischen Arzt ausgebildet wurde: „Besonders dankbar verbunden bin ich zwei meiner damaligen ‚Lehrern‘, die mich sehr geprägt haben: Dem Ärztlichen Direktor des LKH Feldbach, Primar Dr. Gernot Stöckl, und dem Primar Univ.-Prof. Dr. Ingomar Mutz, Leiter der Leobner Abteilung für Kinder- und Jugendliche.“

 

Landarztpraxis in Stallhofen

Am 1. Oktober 1982 war es dann soweit und „ich eröffnete meine Praxis im Ortszentrum von Stallhofen“ blickt der ‚Herr Doktor‘ - wie er von seinen Patienten genannt wird – schmunzelnd auf den Beginn seiner Landarztkarriere zurück. „Meine vielen Patienten, die Hausapotheke, ein wöchentlicher Bereitschaftsdienst und ein Wochenenddienst pro Monat sind ein selbstverständlicher Teil meines erfüllten Arbeitslebens geworden“ erzählt er aus seinem Alltag als Landarzt, der neben dem Schwerpunkt der Schulmedizin und der Sportmedizin mit Homöopathie und Astrologie auch ein breites komplementärmedizinisches Leistungsangebot hat. Da die Fort- und Weiterbildung ebenso ihre Zeit brauchen, steht bei der Freizeitplanung Kunst und Kultur absolut im Vordergrund, sodass für andere seiner Hobbys wie Schach oder Billard kaum mehr Zeit bleibt. Glücklich ist Peter Steinkellner, dass seine Gattin Maria seine vielseitige Begeisterung für Kunst und Kultur teilt und sie daher vieles gemeinsam machen können. Viel Freude bereiten ihnen Marias Tochter Heidi und Enkelin Marie-Therese. Sehr stolz ist Peter Steinkellner auf seine beiden Söhne aus erster Ehe. Christoph ist ein vielseitig talentierter Surfsportler, Martin ist dem Beispiel seines Vaters gefolgt und wird demnächst das Medizinstudium beenden.

Gustinus Ambrosi (1893 - 1975)

Der in Eisenstadt geborene und in vielen europäischen Städten und Ländern wirkende Gustinus Ambrosi war zu seiner Zeit einer der bedeutendsten Bildhauer, der Büsten gleich von drei Päpsten geschaffen hat. Im Wiener Augarten wurde für ihn in den 1950er Jahren sogar ein eigener, ebenerdiger Gebäudekomplex mit Wohnhaus, Atelier, offener Säulenhalle und Ausstellungbau sowie Pförtnerhaus errichtet, der 1978 zum Gustinus Ambrosi Museum wurde. Es wird heute von der Österreichische Galerie Belvedere betreut und zeigt nach Umbauten und Neu-Nutzungen nur mehr einen kleinen Teil der weit über 200 vom Künstler an die Republik Österreich übergebenen Arbeiten: Es sind weitestgehend naturgetreue und eher zurückhaltend idealisierte Skulpturen und Porträt-Büsten von den Großen ihrer Zeit in Marmor, Bronze und Gips. Die kleine, von Schreibutensilien umgebene markante Bronze-Büste des tauben Meisters selbst, die in Peter Steinkellners Ordination steht, hat dieser bereits vor über 20 Jahren erworben hat.

Vielen Älteren sind die Arbeiten des österreichischen Bildhauers, Philosophen und Dichters Gustinus Ambrosi - so die Inschrift am beeindruckend-schlichten Ehren-Grabmal im Grazer St. Leonhard-Friedhof - in guter Erinnerung. Seine oft akribisch anmutende Detail-Genauigkeit beeindruckt auch die jüngere Generation. Und dennoch scheint er in den letzten Jahrzehnten an Wertschätzung verloren zu haben. Dagegen möchte sich Peter Steinkellner nun mit all seinen Kräften stemmen und arbeitet bereits Hand in Hand mit den engagierten Exponenten der Marktgemeinde Stallhofen, damit das eindrucksvolle Lebenswerk eines großen, sicherlich oft auch unbequemen Künstlers nicht in Vergessenheit gerät. Noch dazu, wo die beiden durch ihre gemeinsame Wahlheimat Stallhofen auf das Engste verbunden sind und beide hier ihre Wohnsitze gebaut haben. Wie sehr Gustinus Ambrosi die Weststeiermark und seine neue Heimatgemeinde kannte und schätzte, zeigt ein 2014 gedrehter und auch als DVD erhältlicher Kurz-Film über sein Leben und Wirken und mit den Interviews von Zeitzeugen wie dem Alt-Bürgermeister und Wegbereiter des Ambrosi-Museums Adolf Pinegger, Anton Reiter oder Sophie Heri. Dazu gehört wohl auch das Wissen um seine Vorliebe für die regionale Küche wie gekochtes Rindfleisch mit Kürbisgemüse und Röstkartoffel, einfache Köstlichkeiten, die es während seiner Arbeiten an den Büsten dreier Päpste wohl nicht gegeben hat.

Ambrosis Alterssitz in Stallhofen

Ganz anders als in Wien ist es mit dem von Gustinus Ambrosi bis ins kleinste Detail selbst geplanten und gebauten Haus in Stallhofen, das nur wenige Schritte von der römisch-katholischen Pfarrkirche entfernt ist. Sogar für die Türgriffe hat er Zeichnungen angefertigt. Aus einem ‚Häuschen‘ für seinen Lebensabend wurde eine prachtvolle und geräumige toskanische Villa auf einem kleinen Plateau, von hohen Bäumen gesäumt und mit einer weiten Sicht über das Tal des Södingbachs. Als sie beinahe fertig war starb Gustinus Ambrosi auf tragische Weise. Seine Frau Beata hat die Arbeiten aber nach seinen Plänen zu Ende geführt, die Räume nach seinen Vorstellungen eingerichtet und lebte dann selbst einige Jahre darin. Neben dem wertvollen Mobiliar hat sie auch eine Auswahl von ihm geschaffenen Skulpturen in den Räumen aufgestellt. Seit 1985 ist das kleine Anwesen als Ambrosi-Museum und Gedenkstätte im Besitz der Marktgemeinde Stallhofen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Bei einem Rundgang durch das Ambrosi-Museum kommt bei Peter Steinkellner der Mediziner zu Wort, als er voller Mitgefühl vom frühen Gehörverlust des Künstlers erzählt, der knapp vor seinem Tod auch noch den Geschmack- und Geruchsinn verliert. „Ich bin immer wieder tief beeindruckt, mit welcher Kraft und Präzision Gustinus Ambrosi seine Arbeiten gestaltet hat“ meint er nachdenklich vor der berühmten Plastik ‚Der Mann mit dem gebrochenen Genick‘ stehend, die der Künstler im Alter von 15 Jahren aus der Erinnerung an einen tragischen Arbeitsunfall geschaffen hat.

Peter Steinkellner hat sich zur Aufgabe gemacht - mit Leib und Seele, wie er selbst meint -  mit Hans Reiter, dem unermüdlichen Kurator der Marktgemeinde Stallhofen, und der Gustinus-Ambrosi-Gesellschaft die Erinnerung an den österreichischen Künstler Gustinus Ambrosi wachzuhalten bzw. das Interesse für seine faszinierend-realistischen Menschenkörper und Porträtbüsten zu wecken. Das überragende handwerkliche Geschick und Schaffen des Meisters des plastischen Porträts - z.B. von den Päpsten Pius XI., Pius XII. und Johannes XXIII. oder den österreichischen Bundespräsidenten Dr. Karl Renner, Dr. Theodor Körner und Dr. Adolf Schärf - soll nicht in Vergessenheit geraten. 

 

Hilfreiche Links

 

Stand: Juli 2016.

Gekürzt veröffentlicht: Arzt rettet Bildhauer. In: AERZTE Steiermark. Das Magazin der Ärztekammer Steiermark. Ausgabe Juli, August 2016. Seite 14 - 15.

Empfehlen Sie diese Seite auf: