Graz. Stolpersteine als kleine Gedenkplatten

2016. Unter den vielen neuen Gedenksteinen, die im Sommer dieses Jahres in der steirischen Landeshauptstadt verlegt wurden, ist ein ganz besonderer: Seine Gravur ist in Blindenschrift gehalten.

Gedenktafel und Stolpersteine für Irene Ransburg

Die beiden Stolpersteine für Irena Ransburg. © 2016 Reinhard A. Sudy

Ein ‚klassischer‘ Gedenkstein gemeinsam mit einem in Blindenschrift erinnern an die 1898 in einem jüdischen Elternhaus geborene Irene Ransburg, die nach dem frühen Tod ihrer Eltern von ihrer oststeirischen Adoptivfamilie christlich erzogen worden ist. Als sie mit 16 Jahren blind und gehörlos wurde, kam ins Grazer Odilien-Institut und blieb hier ihr weiteres Leben. Irene Ransburg wurde jedoch verraten, von der Gestapo 1944 abgeholt und in Auschwitz-Birkenau im Alter von 46 Jahren ermordet.

Bereits 2015 war für sie eine Gedenktafel im Odilien-Institut in der Grazer Leonhardstraße enthüllt worden. Nun wurden ihr im August 2016 sogar zwei Gedenksteine gewidmet. Der mit den Eckdaten der Biographie von Irene Ransburg in Brailleschrift ist der erste seiner Art in ganz Europa.

Erinnerungen an die Familie Herzog

Gleich drei weitere neue Gedenksteine gibt es nun auch vor dem einstigen Wohnhaus der Familie Herzog in der Radetzkystraße 8. Sie erinnern an David Herzog, den letzten Oberrabbiner der Steiermark und Kärnten, und seine Familie.

 

Stand: Dezember 2016.

2015. Da und dort begegnet man ihnen in den Grazer Straßen, steigt unachtsam darauf oder über sie hinweg: Kleine, leicht erhabene, messingfarben glänzende Gedenkplatten, die an einstige Widerstandskämpfer und Opfer des NS-Regimes erinnern. Es sind natürlich keine Stolpersteine, auch wenn das gut klingt und Aufmerksamkeit weckt. Es sind Betonquader mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine beschriftete Messingplatte befindet. 51 solcher Gedenksteine sollen es mittlerweile in Graz geben. Hier eine kleine Auswahl mir bekannter Gedenksteine in der Grazer Innenstadtbereich:

  • Pestalozzistraße 67: Hier wohnte Richard Zach, Jahrgang 1919, der am 31.10.1941 verhaftet, am 17.8.1942 verurteilt und am 27.1.1943 hingerichtet wurde. Der am 23. März 1919 geborene Grazer Widerstandskämpfer und Dichter schrieb anläßlich seiner Verurteilung diese Zeilen: "Dennoch will ich Lieder singen, immer wieder, immer wieder. Brecht ihr ihnen auch die Schwingen, immer wieder sollen klingen, meine, meine Freiheitslieder."
  • Rechbauerstraße 27: Hier wohnte Josef Neuhold, Jahrgang 1890, der am 1.2.1941 verhaftet, am 28.7.1942 verurteilt, in der Haft gefoltert wurde und am 25.8.1942 starb.
  • Paulustorgasse 8: Franz Baranyai
  • Südtirolerplatz 10: Klementine Narodoslavsky
  • Annenstraße 34: Familie Spielmann

 

Verein für Gedenkkultur in Graz

Dieser Verein ist um 'die Förderung des sichtbaren und öffentlichen Gedenkens und des Erinnerns an die Opfer des Nationalsozialismus' bemüht. Er hat sich unter anderem der Umsetzung des Projekts Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig in Graz angenommen. Diese kleinen Gedenkplatten sollen helfen, die Erinnerung an die vielen ermordeten Widerstandskämpfer, Juden, Kommunisten, Homosexuellen und Roma wachzuhalten.So war in Graz beispielsweise am 17. Juli 2015 eine weitere Stolpersteine-Verlegung.

Die Homepage des Vereins zeigt bereits einige Standorte von Stolpersteinen und enthält auch einige ausführlichere Biografien.

www.stolpersteine-graz.at

 

Stand: Juli 2015.