Betriebsdirektorin Caroline Buchmann-Hirschmann

Die Krankenhaus-Managerin vor dem LKH Wagna.

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  • Steiermark. Erste weibliche Spitalsdirektorin
  • Prinzip offene Bürotür

Betriebsdirektorin Caroline Buchmann-Hirschmann

Text und Interview: Hedi Grager

Fotos: Reinhard A. Sudy

Betriebsdirektorin Caroline Buchmann-Hirschmann.

Im LKH Wagna werden jährlich rund 8.000 stationäre und 20.000 ambulante Patienten behandelt, über 340 Mitarbeiter, überwiegend unmittelbar im ärztlichen und pflegerischen Bereich, bemühen sich um sie. „Ich wünsche mir, dass wir das ‚Krankenhaus des Südens‘ werden“, verrät Caroline Buchmann-Hirschmann. Die diplomierte Krankenhaus-Managerin leitet seit 1987 mit viel Geschick, Fingerspitzengefühl und etwas ‚weiblicher Raffinesse‘ den Verwaltungsbereich des LKH Wagna. Sie war übrigens die erste weibliche Betriebsdirektorin in der Steiermark.


Vom Hotelfach ins Spitalsgeschehen

Caroline kam in Wildon als Hausgeburt auf die Welt. Nachdem sie die Tourismusschule  Kleßheim in Salzburg absolviert hatte, arbeitete sie ein paar Monate in einem Reisebüro. Wirklich interessiert hat sie aber immer die Hotellerie und so wechselte sie 1979 in die Verwaltung des LKH Wagna, denn „Krankenhäuser und Hotels sind ziemlich ähnlich zu führen, nur dass die medizinische Komponente hinzukommt“, lächelt die Betriebsdirektorin.

Nachdem sie den Verwaltungsbereich von der Pike auf kennengelernt hatte, wurde sie im Februar 1987 zur Direktorin bestellt.

 

Erste weibliche Krankenhausdirektorin steiermarkweit

Damit war sie die erste weibliche Krankenhausdirektorin steiermarkweit und für lange Zeit auch die Einzige. Auf meine Frage, ob man es ihr als Frau, noch dazu blond und attraktiv, schwer gemacht habe, verrät sie mit einem Lächeln: „Ich habe erst im Nachhinein erfahren, dass meine Kollegen Wetten abgeschlossen hatten, wie lange ich durchhalten werde“. Natürlich bekam sie im Laufe der Jahre immer wieder zu spüren, dass männliche Kollegen gelegentlich meinten, sie nicht ganz ernst nehmen zu müssen. Caroline ließ sich davon aber nicht beirren und ging ihren Weg. Ein großer Förderer, an den sie gerne zurückdenkt, war der ehemalige Primararzt Dr. Endte. Von Frauenquoten hält sie nicht viel. „Natürlich ist es schön, wenn einem in den Mantel geholfen oder die Tür aufgehalten wird“. Sie ist der Meinung, dass letztlich die Leistung zählt.

 

Erfolgreiche weibliche Intuition

Als Führungskraft hält sie es für sehr wichtig, dass man die Menschen mag, mit denen man arbeitet, und positiv auf sie zugeht. Das erleichtert das Leben für beide Seiten. Caroline ist überzeugt, dass Frauen anders führen. „Vielleicht ist es die sogenannte weibliche Intuition“, schmunzelt sie, „aber wir loten mehr aus, wann der richtige Zeitpunkt für welches Thema ist“. Sie hat sich angewöhnt, Emotionen vor Entscheidungen runter zu fahren und machte im Laufe ihrer Tätigkeiten als Betriebsdirektorin einige Zusatzausbildungen: wie den Master of Business Administration (MBA) oder den Master of Advanced Studies (MAS).

 

Freude an der Arbeit, auch in bewegten Zeiten

Auch nach all den Jahren macht ihr die Arbeit immer noch viel Spaß. „Ich freue mich jeden Tag auf meine Arbeit. Wenn ich zum Krankenhaus fahre und sehe, was sich im Laufe der Zeit alles getan hat und was ich alles bewirken konnte, das ist schon echt toll“, erzählt sie und ich spüre ihre Freude.

Nach einigen stürmischen Zeiten und der Schließung der Gebärstation läuft es jetzt im Krankenhausbetrieb wieder etwas ruhiger dahin. Das Leistungsspektrum Chirurgie bleibt dem LKH erhalten und laut dem Regionalen  Strukturplan Gesundheit wird die Unfallchirurgie ausgebaut. Die Kooperationen mit der Orthopädie LKH Bad Radkersburg und der Radiologie LKH Leoben laufen sehr erfolgreich, was Experten vor Ort bringt und Patienten lange Anfahrtszeiten erspart.Großartig bewährt hat sich die Dialysestation im LKH Wagna. Die mit den modernsten Geräten ausgestattete Einheit wurde im Mai 2013 von 4 auf 10 Dialyseplätze erweitert und bietet Versorgung auf höchstem Niveau. Täglich werden in zwei Schichten 20 Patienten betreut. „Damit ist diese neue Station ein weiterer Baustein zum steirischen Spitalskonzept der Zukunft …“ unterstrich anlässlich der Eröffnung die damalige Gesundheitslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder.

 

Erfolgreiche Kollegiale Führung

Steiermarkweit einzigartig ist, dass seit 1993, also mehr als zwei Jahrzehnte, die Führungsebene mit dem Ärztlichen Leiter Prim. Univ. Doz. Dr. Herwig Koter, dem Pflegedirektor Walter Lerchbacher und Betriebsdirektorin Caroline Buchmann-Hirschmann personell unverändert blieb. Gemeinsam traten sie 1993 den Dienst in Wagna an. In ihrer Ära wurde das Krankenhaus zweimal umgebaut, der Zubau des Funktionstraktes sieht sie als die größte Errungenschaft.

 

Hausherr Sonny

Mit ihrem Mann, Landesrat Christian Buchmann, ist Caroline seit 31 Jahren zusammen und seit 20 Jahren verheiratet. Die wenige gemeinsame Zeit wird sehr intensiv genutzt: „Wir überlegen uns beide sehr genau ob es sich auszahlt, in dieser Zeit zu streiten“, sagt sie mit einem sympathischen Lachen. „Wenn der Partner so eine Berufung annimmt, muss man das vorher gut besprechen und sich im Klaren sein, dass man vieles entbehrt“, erklärt sie bestimmt. Sie verrät mir noch, dass sie beide im Sommer viel im Garten arbeiten und gerne die Steirischen Berge und Seen erkunden. Da sie beide Katzen lieben, hat ihr Kater Sonny ein wirklich ‚sonniges‘ Leben bei ihnen. „Mein Mann sagt immer: Unser Kater ist der Hausherr und glaubt: mein Haus, mein Futter, meine Untermieter“. Wir lachen herzlich. Fachliche Gespräche sind privat eher selten. Caroline hat gelernt, auf dem Nachhauseweg abzuschalten und sich auf das vorzubereiten, was sie zu Hause erwartet. „So ist es auch auf dem Weg in die Arbeit. Da bereite ich mich darauf vor, was mich am Tag erwartet und was zu tun ist“.

 

Wünsche. Privat und im Beruf

Auf ihre persönlichen und beruflichen Wünsche befragt meint sie: „Ich habe keine großen Wünsche. Ich möchte nur, dass meine Familie gesund bleibt, und jeden Tag bewusst leben.“ Für ihr Krankenhaus wünscht sie sich „dass wir das Krankenhaus des Südens werden“, und für die Gesundheits- und Spitalsentwicklung allgemein, dass Gutes bewahrt und natürlich noch weiter verbessert wird.

20 Jahre LKH Wagna. Facts & Figures
Umgerechnet auf die Einwohner im Bezirk Leibnitz (77.674/Stand 2013) zeigt die Entwicklung ein beeindruckendes Bild.


• 1,99 Mal war jeder Einwohner in stationärer Behandlung in Wagna
• 11 Nächte hat jeder Einwohner im LKH Wagna verbracht
• 0,56 Einwohner sind im LKH Wagna operiert worden
• 6,58 Mal war jeder Einwohner mit einer Krankheit in der Ambulanz
• 19,36 Mal ist jeder Einwohner ambulant behandelt worden
• 8,57 Mal war jeder Einwohner mit einer Krankheit in Behandlung
• 27,94 Mal ist jeder Einwohner medizinisch versorgt worden

 

Stand: Geringfügig geändert am 4. November 2014.

Veröffentlicht: Krankenhaus-Direktorin. In: Box - Das Südsteiermark Magazin Frühling 2014. Seite 14 - 15.

C. Buchmann-Hirschmann. Prinzip Offene Bürotür

Text: Christian F. Freisleben-Teutscher

Foto: Bettina Fack, Reinhard A. Sudy

Schlicht Unsinn nennt Caroline Buchmann-Hirschmann die
Behauptung, Frauen könnten sich nicht durchsetzen. Für die
Betriebsdirektorin war es jedenfalls nie ein Problem, sich

Schlicht Unsinn nennt Caroline Buchmann-Hirschmann die Behauptung, Frauen könnten sich nicht durchsetzen. Für die Betriebsdirektorin war es jedenfalls nie ein Problem, sich Gehör zu verschaffen.

Betriebsdirektorin Caroline Buchmann-Hirschmann: Sämtliche Zweifler eines Besseren belehrt.

„Am Anfang meiner Karriere wurden Wetten abgeschlossen, wie schnell ich aufgeben werde.“ Caroline Buchmann-Hirschmann, 55, begann ihre Laufbahn im Bereich des Krankenhausmanagements am 157-Betten Krankenhaus im steiermärkischen Wagna vor über 25 Jahren nach einem Kolleg mit Tourismusschwerpunkt. „Es gibt einige Ähnlichkeiten zwischen einem Hotel und einem Spital“, sagt sie heute. Sie absolvierte dann mehrere Zusatzqualifikationen zum Themenfeld Krankenhausmanagement. Und eine als „diplomierte Krankenhauswirtin“. Seit 1987 ist sie Betriebsdirektorin.

 

Quote ist Benachteiligung

Buchmann-Hirschmann ist eine der wenigen Frauen in einer leitenden Position in diesem Segment, in der Steiermark ist sie die einzige. Die anfangs skeptische Haltung habe sich verändert, sagt sie: Inzwischen ist sie im Kollegenkreis anerkannt und hatte sowohl in der Bundeskonferenz als auch in deren steirischen Landesorganisation immer wieder wichtige Positionen inne. „Ich bin überzeugt, dass es wichtig ist, dass sich Frauen für diesen Beruf verstärkt von sich aus und selbstbewusst anbieten. Natürlich ist es völliger Unsinn, wenn in einigen Köpfen die Vorstellung dominiert, Frauen könnten sich hier nicht durchsetzen.“ Buchmann-Hirschmann verweist dazu auch auf Mentoringprogramme, wie sie die KAGES anbietet, und die diesen Schritt unterstützen können. Eine Frauenquote hält sie nicht für sinnvoll, „denn jede Form von Quote ist nur eine andere Art von Benachteiligung. Leistung, Qualifikation, soziale Kompetenz und nicht das

Geschlecht sollen das Maß sein.“

 

Ihr Arbeitstag beginnt mit einer Teambesprechung – fünf Personen arbeiten unmittelbar mit Buchmann-Hirschmann zusammen, dazu kommen die Verantwortlichen für Bereiche wie Technik, Hauswirtschaft und Personal. Die Koordination dieser Felder läuft bei Buchmann-Hirschmann zusammen – „ich finde es sehr wichtig, dass wir uns regelmäßig austauschen, weil so anstehende Schwierigkeiten rasch erkannt und angegangen werden können“. Ähnliches gilt für die anschließenden Gespräche auf Ebene der kollegialen Führung: „Wir sind ein sehr gutes Team, das gemeinsam nach innen und außen hin auftritt. Das ist besonders, wenn es Unstimmigkeiten gibt, sehr wichtig“, sagt sie.

 

Buchmann-Hirschmann ist auch für die Budgetplanung und -umsetzung verantwortlich. „Ein ständiger Grenzgang, gerade wenn wie in den letzten beiden Jahren die Mittel laufend gekürzt werden. Hier geht es dann um die Fragen: Was lässt sich noch wie umsetzen, was ist für die Patientenversorgung unerlässlich? Wo können Mittel noch effizienter eingesetzt werden?“ So wird im LKH Wagna im Zuge der Umsetzung des aktuellen Regionalen Strukturplans Gesundheit demnächst die Geburtenabteilung geschlossen. „Diese hat eine lange Tradition – auch wenn die Gesundheitslandesrätin eine Arbeitsplatzgarantie ausgesprochen hat, ist es für viele auch auf der persönlichen Ebene ein sehr harter Einschnitt“, bedauert Buchmann-Hirschmann.

 

Wieder was geschafft

Nicht immer ist sie jedoch Frau ihrer Tagesplanung: „Es gibt täglich neue Herausforderungen, der Arbeitstag wird oft durch akute Probleme strukturiert, wie der Ausfall eines technischen Gerätes.“ Seitdem sie Krankenhausdirektorin ist, wurde das Haus unter laufendem Betrieb immer wieder umgebaut und erweitert: „Das ist eine ständige logistische und organisatorische Herausforderung, vor allem der Umgang mit Lärm und Staub. Gleichzeitig freue ich mich sehr, wenn wir wieder etwas Neues geschafft haben, unser Angebot spezifischer gestalten können“, so Buchmann-Hirschmann. Sie schätzt auch den engen und regelmäßigen Kontakt sowohl zu Mitarbeitern aus allen Arbeitsgebieten im Spital als auch zu den Patienten. „Mir ist das Prinzip der offenen Bürotür sehr wichtig!“

 

Ihren Ausgleich holt sich die Betriebsdirektorin im Sport und Wandern. Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist für sie nichts anderes als eine weitere Management-Herausforderung. Dass Männer in Führungspositionen nie nach ihrer Familie gefragt werden, ärgert sie nicht: „In der Frage ist für mich die Anerkennung der Doppelbelastung enthalten.“

Kurz gesagt: Wunschzettel an den Gesundheitsminister. Was steht an erster Stelle?

 

„Wichtig ist nicht nur die Veränderung, sondern ebenso den Wert des Guten und Bewährten nicht zu übersehen. Auch das wäre ein bedeutender Aspekt von zukunftsorientiertem gesundheitspolitischem Denken und Handeln.“

 

Veröffentlicht: Prinzip offene Bürotür. In: Das österreichische Gesundheitswesen - ÖKZ. 2012/05. Innensichten: Teil 3. Seite 36.

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