Vater und Tochter Tegetthoff. Folke und Tessa

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    • Festival 2015
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Aktuelles

Der Kaiserin neue Kleider

Eine modische Reise im Kaufhaus Kastner&Öhler

Juni 2017. Diese exklusive und leider ausschließlich Frauen vorbehaltene Tour „Der Kaiserin neue Kleider“ durch die Etagen des Grazer Traditions-Kaufhauses Kastner&Öhler war ein grandioses Erlebnis. Erzähler und Maskenspieler (Frieder Kahlert, Deutschland, Cho Kairin, China, und Folke Tegetthoff, Österreich), Musiker (Allegra Tinnefeld, Österreich) und Persönlichkeiten aus der Modewelt präsentierten ihre so unterschiedlichen, atemberaubenden Künste im außergewöhnliche Ambiente eines der schönsten Kaufhäuser der Welt („Best departmentstore 2014“). Vom Garagenkeller bis ins Dachgeschoß ging es am 1. Juni - zwischendurch gestärkt mit Polz Brut und kleinen feinen Gaumengeschichten - durch einen perfekten und restlos ausverkauften Abend.

Internationales Storytelling Festival 2015

Mai 2015. Für dieses Jahr hat Folke Tegetthoff seine Erzähl-Festivals erweitert und gleich einen ganzen Reigen an Veranstaltungen in Graz, Wien und Niederösterreich geschnürt: "Wir freuen uns ab 2015 zurück nach Graz zu kehren, mit Wien einen neuen Standort gefunden zu haben und in Niederösterreich ein neues Festivalkonzept zu präsentieren!"

 

Das Internationale Storytelling Festival 2015 beginnt am 20. Mai mit "Lassing erzählt" und feiert am 22. Mai mit einer großen Eröffnungsgala im Grazer Schauspielhaus eine "Lange Nacht der Märchenerzähler".

 

Tessla Tegetthoff. Seele hinter den Festival-Kulissen

Text und Interview: Hedi Grager

Fotos: Privat, Thomas Luef, Oliver Wolf

Quelle: www.hedigrager.com

8. Mai 2017. Bei einem ihrer Heimatbesuche treffe ich Tessa Tegetthoff. Sie kommt gut gelaunt ins Cafe und für gute Laune hat sie auch allen Grund – beruflich wie privat: die Organisation des mittlerweile 30-jährigen Austrian International Storytelling Festival läuft sehr gut und privat freut sie sich auf ihr Baby, das im Juni zur Welt kommen wird.

Das 1988 erstmalig in Europa veranstaltete Erzählkunstfestival ist heute eines der weltweit bedeutendsten Festivals seiner Art: Klassische Erzählkunst aus aller Welt, gepaart mit anderen „Erzählenden Künsten“ – von Musik, Pantomime, Tanz bis Clownerie.

Tessa Tegetthoff und ihr „Festival-Baby“. Foto: Privat

Festival-Baby
Die glückliche, werdende Mutter hat vor, so lange es geht zu arbeiten und bei der Organisation ‚ihres‘ Festivals dabei zu sein. „Solange ich fit bin, arbeite ich natürlich mit, aber wir haben ein tolles Team, das wir jetzt ausgeweitet haben, und alle sind sehr bemüht, mich zu unterstützen. Keiner will, dass ich Ende Mai noch Vollstress habe und mit dem Handy in den Kreissaal gehe“, erzählt Tessa mit einem Lachen. Gleichzeitig gesteht sie, dass die Konzentration doch ein bisschen nachlässt, „da ich jetzt natürlich neben dem Festival auch anderes im Kopf habe. Die Vorbereitung läuft ein ganzes Jahr. Das Festival ist dann die Belohnung und es ist schön zu sehen, was wir geschaffen haben.“ Dieses Gefühl wird ihr zwar heuer fehlen, da sie zu diesem Zeitpunkt ihr Baby bekommt und nicht dabei sein kann, „aber ich werde wahrscheinlich jeden Tag einen Bericht einfordern, mein ‚Festival-Baby‘ komplett abzugeben werde ich nicht schaffen.“ Sie strahlt wieder.

Es ist heuer bereits das 6. Jahr, seit sie die Hauptorganisation des Festivals übernommen hat. „Im Endeffekt war ich aber seit Kinderschuhen beim Festival dabei, habe während meiner Schul- und Unizeiten mitorganisiert und kenne die Abläufe seit meiner Kindheit. Es ist heuer das 30. Festival und ich bin 32 Jahre alt.“ Wir lachen. Auf meine Frage, ob es besonders war, mit einem Märchenerzähler als Vater aufzuwachsen, meint sie: „Nein, denn ich kannte es ja nicht anders. Für uns Kinder war er ein normaler Vater, oder doch nicht ganz… Für uns hat es so gewirkt, als würde er gar nicht arbeiten – hat er natürlich, aber eben immer von zu Hause oder er hat uns auf seine (Auslands-) Tourneen mitgenommen – so gesehen, war es dann doch besonders.“

Vom ‚Schreibvirus‘ sind Folke Tegetthoffs Kinder nicht erfasst. „Etwas Kreatives haben wir aber alle“, meint Tessa. „Bei meiner Arbeit des Organisierens und des strukturierten Arbeitens sind doch sehr viele Kreativprozesse dabei, das hat mir mein Vater sicher in die Wiege gelegt. Ich mag es sehr, mit ihm so eng zusammen zu arbeiten und sich auszutauschen – es ist aber auch eine Herausforderung.“ Sie verrät, dass das Organisieren nicht so seines ist und er sehr froh ist, dass dies Tessa macht. „Er ist der Intendant, der das Festival ins Leben gerufen hat, gemeinsam erstellen wir das Grobkonzept. Die Organisation und Abläufe hinter den Kulissen manage ich, mir macht diese Planung extrem viel Spaß“.

Zweite Heimat Berlin
5 Jahre ist es her, seit Tessa nach Berlin zog. Auf meine Frage nach dem Warum bekomme ich lachend zu hören: „Der Klassiker. Es war die Liebe. Andreas ist ein Steirer, der vor 6 Jahren nach Berlin gezogen ist, wo er ein Startup hochgezogen hat. Obwohl ich sehr heimatverbunden bin, war es von Beginn an klar, dass ich nach Berlin nachkommen werde, was ich nach einem Jahr des Pendelns auch gemacht habe.“

Tessa kennt schon einiges von der Welt, machte Praktika in Amsterdam, Singapur, Argentinien und war zur Schulzeit viel in den USA. Die Entscheidung für Berlin fiel ihr nicht schwer. Und die meiste ihrer Organisationsarbeit kann sie von ‚überall‘ machen. „Ich  bin bester Air Berlin-Kunde und pendle“, lacht sie wieder. So kann es sein, dass der Papa in seinem geliebten Piran sitzt, die Tochter in der Südsteiermark oder Berlin ist und via Skype gearbeitet wird. „In Berlin lebe ich in einer tollen internationalen Stadt, die für meine Branche interessant ist und in der ich mich wohl fühle. Ich mag diese Kunst-Kultur-Szene, in Berlin nimmt Dich jeder, wie Du bist, und das schätze ich sehr.“

Sie erklärt aber auch, dass sie es sich vorstellen könnte irgendwann wieder zurück nach Österreich zu gehen. „Berlin ist eine Stadt für einen bestimmten Lebensabschnitt, wenn man jung ist, und für Jungfamilien, weil es eine sehr kinderfreundliche Stadt ist. Andreas und ich sind Naturmenschen und vermissen die Berge, daher fahren wir oft nach Österreich zum Wandern und Ski fahren.

Es wird ein Bub …
Ich frage sie, was sich für sie jetzt durch die Schwangerschaft schon geändert hat. „Die größte Erkenntnis für mich während der Schwangerschaft ist die Erfahrung, dass ich nun noch mehr auf meine Ernährung, auf Bewegung, Ruhe geben achte und versuche immer entspannt und ausgeglichen zu sein. Da hab ich jetzt den Buben, der in mir wächst, der mich immer dran erinnert – viel mache ich also jetzt vermehrt für ihn, dabei müsste ich es immer machen. Ich ernähre mich zwar gesund, aber jetzt noch viel ausgeprägter und gehe viel an die frische Luft.“ Beim Namen sind sie noch im ‚Findungsprozess‘, wie Tessa es ausdrückt. „Wir hatten eine lange Liste Mädchennamen, weil ich überzeugt war, dass es ein Mädchen wird. Es wird aber auf jeden Fall ein kurzer Name sein, passend zum Nachnamen ‚Erker‘. Das Baby wird den Namen vom Vater kriegen, denn „Heirat ist hoffentlich nicht ausgeschlossen…“, lacht Tessa wieder fröhlich.

Familie Tegetthoff und Social Media
Natürlich freuen sich auch ihre Eltern schon sehr auf ihr Enkerl. „Meine Mama muss ich oft stoppen, damit sie nicht zuviel einkauft“, schmunzelt Tessa.

Tessa, als Älteste, hat noch zwei Schwestern und einen Bruder. Der 25-jährige Floris ist der Jüngste. Er studiert Innenarchitektur und macht gerade ein Auslandssemester in Holland. Sophie ist Kinderärztin und lebt in Berlin, sie engagiert sich sehr für Hilfe in Entwicklungsländern, vor allem in Afrika. Kira lebt in Shanghai. „Sie ist auch im Eventmanagement, aber in Richtung Fashion. Es gab eine Zeit, da haben alle drei Mädels unabhängig voneinander zwei Jahre lang in Berlin gewohnt.

Die Tegetthoffs: Eine große und glückliche Familie. Foto: Privat

Als ich Tessa danach frage, wie sie sich selbst in drei Worten beschreiben würde, meint sie lachend: „Solche Fragen „liebe“ ich. Hm, kreativ, weltoffen, herzlich, fröhlich.“

Nach der Nutzung von Social Media befragt erfahre ich: „Ja wir sind beide sehr online affin, vor allem durch bzw. für die Arbeit. Andreas arbeitet für Universal Music, ist dort als Digital Manager tätig. Ich bin überzeugt, dass ich für meine berufliche Nutzung noch mehr herausholen kann. Auf Instagram interessieren mich zur Zeit vor allem Mamablogs.“

Austrian International Storytelling Festival
Das Festival wuchs in den letzten Jahren ständig und extrem und ist für Tessa zum Vollzeitjob geworden. „Früher hatte ich einen 40-Stunden-Job und nebenher noch das Festival organisiert, aber jetzt geht es nicht mehr und ich mache nur mehr das Festival.“ Tessa war zuvor im Bildungsbereich tätig, arbeitete für die größte amerikanische Bildungsplattform, für die sie das Onlineprojekt für den europäischen Markt aufbaute – was ihr auf Dauer aber zu wenig kreativ war.

Natürlich bin ich neugierig, wie sie sich das alles mit Kind vorstellt und Tessa meint lachend: „Gute Frage. Also in der Theorie, ausgehend von einem ganz braven Kind, ist es so geplant, dass ich mal ungefähr 4 Monate Pause mache und danach wieder langsam mit der Organisation im Home Office, mit Kind, starte. Über den Sommer passt das bei uns ganz gut.“ Das hast Du natürlich genau so geplant, meine ich lachend, worauf sie meint: „Ja klar.

Mein Vater hat immer gesagt, das Einzige, das du in deinem Leben nie machen darfst, ist, zum Zeitpunkt des Festivals ein Baby zu kriegen. Ich kann echt gut planen, aber …….“ Natürlich möchte sie das nächste Festival wieder mitplanen, ist aber auch gelassen genug, um alles auf sich zukommen zu lassen. Und: „Es gibt für alles eine Lösung.“

Es ist irgendwie schon verwunderlich, wie so etwas wie das Storytelling Festival so ohne Action, mit Geschichten erzählen, in der heutigen Zeit funktionieren kann. „Vielleicht gerade deshalb, weil wir alle so viel Action haben, und so viele eine Sehnsucht nach Entschleunigung, nach zur Ruhe zu kommen, haben“, meint Tessa. „Wir sind mittlerweile in 4 Bundesländern, für nächstes Jahr hat sich ein weiteres Bundesland angekündigt. Wir waren auch schon mit Paris in Kontakt und natürlich wäre es spannend, ins Ausland zu gehen. Das Potential ist da, aber es ist aus  personaltechnischen Gründen nicht alles möglich, und auch die Finanzierung muss stehen. Das macht es nicht leichter, wir werden auch nicht mit Megasummen subventioniert.“ Im Kernteam sind sie übrigens zu Dritt, aber beim Festival gibt es natürlich viele wichtige ‚Helferleins‘.

Das Austrian International Storytelling Festival-Team. Foto: Privat

Das weitere Bundesland wird eventuell Salzburg sein. „Ich finde ja jedes Bundesland für sich total interessant. Die vier Festivals haben zwar ähnliche Programme, sind aber durch die Atmosphäre der verschiedenen Länder doch sehr unterschiedlich und wir versuchen doch immer Schwerpunkte zu setzen. Die lange Nacht der Märchenerzähler ist in Graz so ganz anders als die im MuseumsQuartier oder in der Buckligen Welt.“

„Ich sehe es kommen, letztendlich wird das Festival in allen 9 Bundesländern stattfinden, in Amerika, China usw.“, schmunzle ich. „Klar wäre es toll, aber ich finde, es ist jetzt schon toll und wir können stolz sein – schließlich kommen alle auf uns zu. Wir könnten uns zufrieden geben, aber es ist auch eine Challenge und Herausforderung, sich neuen Herausforderungen zu stellen, jedes Jahr etwas Neues dabei zu haben, neue Partner, neue Standorte…..

Folke Tegetthoff. Märchenerzähler mit Leidenschaft

Der Erzähler, Dichter und Schriftsteller gilt weltweit als Begründer einer neuen Erzählkunst-Tradition

Text und Interview: Hedi Grager

Fotos: Christian Jungwirth, Reinhard A. Sudy

Erzähler, Dichter und Schriftsteller Folke Tegetthoff. (© Christian Jungwirth)

 

Folke Tegetthoff stammt aus der Familie des österreichischen Admirals Wilhelm von Tegetthoff. Kaum jemand weiß, dass er in Wels geboren wurde, mit sechs Monaten aber nach Graz kam. Hier ist er aufgewachsen ist und hier studierte er mehrere Semester Medizin und Pädagogik. Seit einigen Jahren lebt er mit seiner Frau Astrid und seinen vier Kindern in einem Kloster in der Südsteiermark.

Nach Aufenthalten in Spanien und Hamburg erschien 1979 sein erstes Buch „Der schöne Drache“, dessen Präsentation auch sein erster Auftritt als Märchenerzähler war. Als Märchendichter vereint Folke Tegetthoff klassische Elemente mit einem ganz neuen Märchenstil. Dies macht ihn in der deutschsprachigen Literaturszene einzigartig.

 

 

G’sund: Wie wird man Märchenerzähler? Hast Du schon als Kind eine Nähe zu Märchen gehabt?

 

Tegetthoff: Ich war das jüngste von fünf Kindern, habe vier Geschwister. Eine meiner Schwestern hat mir über viele Jahre jeden Abend eine Geschichte erzählt. Das war sehr prägend für mich. Märchen erzählen habe ich aber auch immer mit körperlicher Nähe verbunden, mit Vertrautheit und Sicherheit.

Märchenerzähler wird man nicht, das ist man. Ich weiß noch auf die Stunde genau, wie mein Weg begonnen hat. Es war der 24. Dezember 1964, 18.35 Uhr. Ich war zehn Jahre alt, als an diesem Weihnachtsabend nicht nur der Weihnachtsbaum abbrannte, auch die Wohnungseinrichtung und alle Geschenke. Meine Geschwister waren verzweifelt, sie wollten mir ein schönes Fest bereiten, aber alles war verbrannt. Was ich in der Asche noch fand war ein Buch, das nicht verbrannt war. Es war ein Märchenbuch. Dieses Buch begleitete mich dann über all die Jahre, so wie andere Kinder ein Lieblings-Stofftier haben. Ich wusste intuitiv, dass es wichtig für mich war, dass es eine Bedeutung für mich hatte. Auch wenn mir damals noch nicht klar war, welche.

Zwölf Jahre später wurde mir die Bedeutung klar. Ich war 23 Jahre alt als ich gefragt wurde, ob ich ein Märchenhörspiel schreiben möchte. Natürlich, sagte ich, obwohl ich so etwas noch nie gemacht hatte. Ich ging in das Kinderzimmer meines Neffen und habe nach einem Buch gesucht. Ich fand „mein Märchenbuch“, dasjenige, das den Brand überlebt hatte. Es waren die gesammelten Werke des Märchendichters Hans Christian Andersen. Ich setzte mich hin und schrieb mein erstes Buch, das knapp ein Jahr später veröffentlicht wurde.

 

G‘sund: Du verlässt Dich sehr auf Deine Intuition?

 

Tegetthoff: Ich glaube absolut an intuitive Kräfte. Intuition ist überhaupt die wesentlichste Kraft, die wir besitzen. Die meisten haben nur kein Vertrauen in ihre Intuition. Wir kommen ständig an Wegkreuzungen, müssen Entscheidungen treffen, um zu einem nächsten Punkt zu kommen. In meiner Lebensphilosophie hilft mir meine Intuition immer, den richtigen Weg zu gehen. Jeder Augenblick des Lebens hat eine Bedeutung. Ich vertraue konsequent meiner Intuition - das ist auch durchaus trainierbar.

 

G’sund: Wie schreibt man ein Märchen? Kann man sich dies ähnlich vorstellen wie einen Roman zu schreiben?

 

Tegetthoff: Einen Roman zu schreiben, erfordert eine Konstruktion, so wie einen Plan für den Bau eines Hauses. Meine Märchen jedoch entspringen meiner Intuition, auch wenn sie einer strengen Logik zu folgen haben.

 

G’sund: Was bedeutet Dir Familie? Du bist durch Deine Reisen und Tourneen doch auch sehr oft von der Familie getrennt?

 

Tegetthoff: Ich verbringe sehr viel Zeit mit meiner Frau und meinen Kindern. Sie waren früher sehr oft mit mir auf Tournee, als unsere Kinder noch nicht zur Schule gingen. Meine „normale“ Arbeit findet ja zu Hause statt, da bin ich zwar nicht immer ansprechbar, aber ich bin präsent.

 

G’sund: Du hast mehrere Auszeichnungen erhalten, darunter als erster Österreicher den mit US$ 100.000 dotierten Internationalen Lego Preis im Jahr 1994. Dieser wird von Lego an Personen und Organisationen verliehen, die einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung von Lebensbedingungen von Kindern in allen Teilen der Welt leisteten. War das Dein bisher größter „Erfolg“, Deine bisher größte Anerkennung für Deine Arbeit?

 

Tegetthoff: In Bezug auf Auszeichnungen war dies natürlich schon mein größter Erfolg. Nicht wegen des großen Geldbetrages, sondern weil ich damit eine bedeutende internationale Auszeichnung erhalten habe, die von einer unabhängigen internationalen Jury aller 28 Lego-Länder vergeben wurde. Ich bin sehr stolz, ihn als zweiter Schriftsteller nach Astrid Lindgren erhalten zu haben. Ich weiß, dass ich in Österreich niemals einen literarischen Preis erhalten werde, dazu muss man einem Verein, einem Gremium oder einer Lobby angehören. Ich aber stehe außerhalb der Literaturszene.

 

G’sund: Deine „Welttournee des Märchens“ führte Dich im Alter von 28 Jahren von 1982 bis 1984 in 22 Monaten in insgesamt 28 Länder auf allen Kontinenten. Das ist nach wie vor einzigartig. Was war das für ein Gefühl? Möchtest Du das wieder machen?

 

Tegetthoff: Es war natürlich ein absoluter Wahnsinn, vor allem deshalb, da ich ja nirgendwo als Tourist, sondern als Gast diese Länder und Städte kennenlernen konnte. So bekommt man einen ganz anderen Zugang zu einem Land. Wenn ich es jetzt nochmals machen würde, würde der Hype des Neuen wegfallen, aber es würde mir sicherlich andere Erfahrungen bringen. Ähnliches mache ich ja mit der „Schule des Zuhörens“, eine Arbeit rund um das Zuhören.

 

G‘sund: Im April hast du in Niederösterreich ein von Dir konzipiertes Lesekompetenzzentrum präsentiert.

 

Tegetthoff: Ja, das war für mich ein ganz fantastisches Projekt. Ich wurde von der niederösterreichischen Landesregierung beauftragt, dieses Lesekompetenzzentrum zu planen. Erstmalig hat ein solches Projekt ein Künstler gemacht. Überall auf der Welt werden solche Projekte von Unternehmensberatern oder Pädagogen gemacht. Eine Herausforderung war natürlich, dass ich vom Budget bis zu den Mitarbeiterprofilen alles, also wirklich alles, neu entwickeln musste. Und das in fünf Monaten!

 

G’sund: Was können wir uns unter einem Lesekompetenzzentrum vorstellen?

 

Tegetthoff: Es ist eine zentrale Stelle für alles, was auch nur im entferntesten Sinne mit Lesen zu hat. Beispielsweise geht es darum, wie man Menschen, Kinder und Erwachsene, wieder zum Lesen bringt. Es gibt immer mehr Analphabeten. Aber für unser Leben ist Lesen eine ganz wichtige Grundlage. Kinder lesen zwar, aber sie verstehen heute oftmals den Sinn nicht mehr. Wir müssen uns bewusst sein: Ohne lesen keine Bildung.

 

G’sund: Was ist der Ansatz deines Konzeptes? 

 

Tegetthoff: Das erste Lesen findet am 5. Tag nach der Geburt statt, wenn das Neugeborene die Mimik seiner Mutter liest. In den ersten fünf, sechs Jahren verbinden Kinder mit lesen etwas sehr Positives, sehr Emotionales. Sie verbinden es mit Körperlichem, wenn die Mutter am Bett oder das Kind am Schoss der Mutter sitzt. In der Schule bricht dann das Positive. Plötzlich wird bewertet - du liest gut oder schlecht. Und mit 12 Jahren kommt der Leseknick, da wird lesen als reines Werkzeug betrachtet.
Die Pisa-Studie hat in 48 Ländern Mängel beim Lesen entdeckt. Ich habe für dieses Projekt 42 Interviews und Gespräche geführt mit Menschen, die mit lesen im weitesten zu tun haben: von Lehrern bis zu Schrifstellern, von Musiktherapeuten bis zu Bibliothekaren. Was ist lesen, was bedeutet lesen für sie. Eine wichtige repräsentative Erkenntnis war, dass knapp 80 % dieser Menschen, die auch noch über 40 Jahre sind, mit Lesen ein haptisches Gefühl, das Berühren eines Buches oder einer Zeitung verbinden.
Es ist aber auch erwiesen, dass die bis jetzt 15-Jährigen vielfach mehr, aber anders lesen als die Generation davor. Sie lesen E‑Mails, SMS etc. All das gehört ja auch zum Lesen.

 

G’sund: Welchen Ratschlag hast Du für uns? 

 

Tegetthoff: Wir müssen uns (wieder) bewusst werden, was es bedeutet, ein Buch zu lesen. Es ist ein Transportmittel, um uns Lebens- und Glücksgefühl zu vermitteln. Es schenkt uns Zeit, um zur Ruhe zu kommen, um inne zu halten. Es ist auch bewiesen, dass die Konzentrationsfähigkeit steigt, wenn man eine Geschichte erzählt oder eine erzählt bekommt. Erwachsene müssen auch die Kunst des Erzählens und des Zuhörens wieder erlernen, um sie dann an ihre Kinder weitergeben zu können. Ich mache dies mit der Schule des Zuhörens im Rahmen meines Erzählkunstfestivals „fabelhaft“. Dabei versuchen wir, Erwachsene und Jugendliche für das Zuhören zu sensibilisieren. Denn: erzählen und zuhören bedeutet, einander Zeit schenken, bedeutet einander Achtung schenken.

 

 

Weiterlesen (Erzählkunstfestival)

 

Stand: Juni 2009.

Veröffentlicht: Interview mit Folke Tegetthoff. Der Erzähler, Dichter und Schriftsteller gilt weltweit als Begründer einer neuen Erzählkunst-Tradition. In: Gsund. Die besten Seiten der KAGes. Nr. 62 Juni 2009. Seite 56 - 57.

Quelle: www.gsund.net.

Ein wenig Persönliches über Folke Tegetthoff

  • Geboren am 13. Februar 1954 in Graz
  • Verheiratet mit Astrid, vier Kinder (Tessa, Sophie, Kira und Floris)
  • Präsentation des ersten Buches „Der schöne Drache“ am 13. Februar 1979 in Graz

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