Camargue. Unterwegs zwischen Kultur und Natur

Text und Fotos: Reinhard A. Sudy

Gewaltige Stadtmauern umgeben Aigues Mortes. (Foto: Sudy)

Abwechslungsreiche Landschaften, mittelalterliche Städtchen, eine faszinierende Kulturgeschichte und mediterranes Lebensgefühl prägen den Alltag in der Provence im Süden Frankreichs. Hier im tiefen Süden Frankreichs sind in den mittelalterlichen Städten und Dörfern in der sommerlichen Mittagshitze die Rollbalken der Läden heruntergezogen und die Fensterläden fest verschlossen. Erst am späteren Nachmittag füllen sich die kleinen Cafes unter den schattenspendenden Platanen und beginnt das Leben wieder zu pulsieren.

Die größeren und großen Städte im weiteren Umfeld der Camargue sind Marseille, die Hauptstadt der gesamten Region Provence-Alpes-Cote d’Azur, Aix-en-Provence ​, Avignon, Nimes und Montpellier.

 

Arles. Kulturgeschichte und unblutige Stierkämpfe

Ein guter und naher Ausgangspunkt, um die Camargue zu entdecken, ist Arles, die Stadt der bunten Märkte und unblutigen Stierkämpfe. In dieser griechischen, römischen, mittelalterlichen und heute typisch provencalischen Stadt sind Spuren und Zeugen aus allen Epochen zu finden. Ihre quirlige Altstadt ist eine wahre archäologisch-geschichtliche Fundgrube und einen Spaziergang wert. Neben den vielen Museen und der Kathedrale Saint-Trophime mit ihrem Kreuzgang ist das gewaltige Oval der Arena die große Attraktion. Das imposante Bauwerk, ein Erbe der römischen Epoche, ist heute eine Bühne für Musik- und Folklore-Veranstaltungen und Schauplatz der Courses Camarguaises, einer völlig unblutigen Variante des Stierkampfs. Dabei versuchen weiß gekleidete junge Männer, dem Stier die zwischen seinen Hörnern befestigte Kokarde zu entreißen.

Das gewaltige Oval der Arena in Arles.

Die Pferde der Camargue

Die weissen Pferde sind wie die schwarzen Stiere und die rosaroten Flamingos zu Markenzeichen der Camargue geworden. Sie werden als überaus wendig und dank der überdurchschnittlich großen Hufe auch im sumpfigen Gelände als trittsicher, kräftig und ausdauernd, ausgeglichen und unerschrocken beschrieben und sind sowohl für die Arbeit mit den Stieren als auch zum Wanderreiten bestens geeignet. Als Fohlen sind die Camargue-Pferde jedoch dunkelbraun bis schwarz. Sie werden dann zunehmend heller und sind mit etwa 10 Jahren vollkommen weiß. Und eine weitere Besonderheit: Die Camargue-Pferde können mit geschlossenen Nüstern unter Wasser fressen.

Stolze Weidereiter auf ihren weißen Camargue-Pferden.
Eine Herde schwarzer Stiere beim Treiben.

Grande und Petit Camargue

Das weitläufige Mündungsgebiet der Rhone am Mittelmeer, im Westen der Region Provence-Alpes-Cote d’Azur, war einst ein unwegsames Sumpfgebiet. Heute breitet sich hier im Schwemmland zwischen den beiden Rhonearmen und auch westlich davondie faszinierende Landschaft der (Grande und Petit) Camargue aus, berühmt für ihre weißen Pferde, schwarzen Stiere und rosaroten Flamingos. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, zu Fuß, mit dem Rad oder auf dem Rücken eines Pferdes die Highlights der einzigartigen Camargue zu entdecken. Dieses Landschafts- und teilweise Naturschutzgebiet hat aber weit mehr zu bieten als freilebende Herden von stolzen Pferden und halbwilden Stieren.Weiden, landwirtschaftlich genutzte Flächen und Meerwasser-Salzgärten wechseln mit flachen Seen, Deichen und Dämmen. Ein Paradies für die artenreiche Wasservogelwelt. Mittendurch führen schiffbare Kanäle und gut gekennzeichnete, lange Wanderwege, teils auch den weißen Dünen des Mittelmeerstrands entlang und gelegentlich stoßt man auf kleine Schuppen, die Cabanes, in denen früher die Viehhirten hausten. Der auch im Sommer zwischendurch heftig wehende, kalte Mistral kann ganz schön zu schaffen machen, egal ob zu Fuß, auf dem Sattel eines Fahrrades, dem Rücken eines Pferdes oder mit einem Boot unterwegs. Entspannung finden Badefreudige an den gepflegten Stränden unmittelbar bei Saintes-Maries-de-la-Mer und in der Nähe von Salin-de-Giraud.

Die Busch- und Wasserlandschaft der Camargue. (Fotos: Sudy)

Aigues-Mortes. Ausgangspunkt für Kreuzzüge

Dieses kleine Städtchen inmitten von Lagunen und Salinen ist ein Anziehungspunkt für unzählige Besucher.​ Gewaltige Stadtmauern umgeben das ganz im Westen der Camargue liegende mittelalterliche Städtchen Aigues-Mortes, ein mittlerweile weit von der Meeresküste entfernter, verlandeter, einstiger Kreuzfahrerhafen. Bestens erhalten aber sind die gewaltigen Stadtmauern mit den Türmen, Toren und Schießscharten: Eine eindrucksvolle mittelalterliche Kulisse. Auf den Stadtmauern kann man um das Stadtgeviert gehen und dabei auf das Treiben in den engen Gässchen schauen.

Neben den beiden Kapellen und der Kirche Notre-Dame des Sablons ist die alles überragende Sehenswürdigkeit mit toller Aussicht ein außerhalb der Stadtmauer errichteter, mit dieser aber über eine Brücke verbundener, gewaltige Rundturm: Über 30 Meter hoch ist der Mitte des 13. Jahrhunderts erbaute Tour de Constance. Zu seinen Füßen und in den Kunsthandwerkläden, Galerien und Cafes des sehr gepflegten Altstadkerns tummeln sich heute Scharen von Besuchern. Ein nettes Mitbringsel ist übrigens die „Fleur de Sel, ein durch die besonders aufwändige Art der Gewinnung wertvolles Meersalz.

Saintes-Maries-de-la-Mer

Voll von Menschen sind meist auch die kleinen Gassen, Läden und Restaurants im Ortskern des südwestlich gelegenen Wallfahrtsortes Saintes-Maries-de-la-Mer, wo die Petit Rhône, der kleine Nebenarm der Rhone, ins Mittelmeer mündet. Die Verehrung der „Les Saintes-Maries-de-la-Mer“ - Maria Jakobäa, Maria Salome und die Schwarze Sara, Schutzpatronin der Gitans - hat eine lange Tradition und ist vor allem die Wallfahrt im Mai alljährlich ein Großereignis. Für einen abschließenden Ausblick über die Camargue und das Meer lohnt sich ein Aufstieg auf das Dach der befestigten Wehrkirche Notre-Dame-de-la-Mer.

Blick vom Dach der Wehrkirche in Saintes-Maries-de-la-Mer auf das Meer.

Salin-de-Giraud

Einige Kilometer landeinwärts liegt im Südosten der Camargue das kleine Städtchen Salin-de-Giraud. In den riesigen Meerwasser-Salzgärten, südlich von Salin-de-Giraud und östlich der Grande Rhone, wird unter anderem die hochwertige „Fleur de Sel“ (die Blume des Salzes) gewonnen. Sehenswert sind auch die drei nur zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbaren Leuchttürme (Phare de Faraman, Phare de Beauduc, Phare de la Gacholle).

 

Port-Saint-Louis-du-Rhône

Dort, wo die Grande Rhône ins Mittelmeer mündet, liegt die Hafenstadt Port-Saint-Louis-du-Rhône am östlichen Rand der Camargue. Kilometerlange Wanderwege führen teils am Strand entlang bis nach Saintes-Maries-de-la-Mer. Sehenswert ist der Tour Saint-Louis, einst ein Leucht- und Wachturm. Es lohnt sich, dieses Bauwerk zu besteigen und über die Camargue und auf die Rhône und die Meerwassersalinen zu blicken.

 

Stand: Juni 2012.

Quellen:

1. Reinhard Sudy: Camargue. In: box. das südsteiermark magazin. Ausgabe 53 Sommer 2012. Seite 36 - 37.

2. Südfranzösische Impressionen. Sehenswerte Städte und Städtchen in Frankreichs Süden: Aix-en-Provence, Avignon, Arles und Aigues-Mortes. In: Gsund. Menschen helfen Menschen. Nr. 28 Dezember 2000. Seite 42 - 43.

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