Marseille. Stadt am Meer, mit Ruf und Flair

Auch das ist Marseille. In den beiden Flügeln des im 19. Jahrhundert errichteten Palais Longchamp, am Ende des Boulevard Longchamp, sind Museen untergebracht. (Foto: Sudy)

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Kulturhauptstadt „Marseille-Provence 2013“. Kunst, Kultur und das Leben rund um das Mittelmeer

Die Region Marseille-Provence wurde für 2013 zur europäischen Kulturhauptstadt gekürt und hat dieses Jahr mit großem Aufwand vorbereitet und feierlich begonnen. Hunderte von kulturellen und künstlerischen Veranstaltungen aller Sparten begleiten das Jahr in der ganzen Region, in vielen ihrer Ortschaften, allen voran in Marseille.

Carte territoire MP 2013. © Thomas Serriere

Marseille. Zwischen dem Zauber seiner Geschichte, Krimi-Kulisse und dem Flair futuristischer Architektur

Text: Reinhard A. Sudy

Fotos: Boeri Studio, Paul Ladouce, Ville de Marseille, G. Martin-Raget / Bouches-du-Rhône Tourisme, Mathieu Colin, M. Lacanaud, Xavier Zimbardo, Agence Rudy Ricciotti, Thomas Serriere, Reinhard A. Sudy

Hafeneinfahrt von Marseille. © Ville de Marseille

Ein Hauch von Abenteuer umgibt die französische Hafenstadt Marseille. Die sonnenhelle, bunte und brodelnde Mittelmeermetropole gilt als Frankreichs älteste Stadt und als „Brückenkopf am Mittelmeer“. Als Marseille-Provence 2013 ist sie heuer europäische Kulturhauptstadt und Zentrum außergewöhnlicher kultureller und künstlerischer Aktivitäten.

  

Bereits vor rund 2600 Jahren wurde die Mittelmeerstadt Marseillegegründet. Zwei mächtige Zitadellen säumen die Einfahrt in ihren malerischen Alten Hafen (Vieux Port). Er ist das Herzstück der zweitgrößten Stadt Frankreichs und Ankerplatz von unzähligen Segelbooten und Motorjachten. Der Alte Hafen ist auch ein idealer Ausgangspunkt für Rundgänge zu den vielen alten und neuen Sehenswürdigkeiten von Marseille, das sich von der Meeresküste weg in den umliegenden Hügeln ausgebreitet hat: Durch die schmalen Gassen des Altstadtviertels Le Panier oder das Geschäftsviertel um den berühmten Boulevard Canebière, zum lebhaften Cours Julien inmitten einer kreativen Umgebung oder in das reizvolle Mode- und Shopping-Viertel zwischen der Oper und dem Place aux Huiles, hinauf zur Basilika Notre Dame de la Garde mit Blick über ganz Marseille oder zu futuristischen Bauwerken in den wiederbelebten Docks.

Villa Méditerranée. © Boeri Studio

Szenen eines Hafens

Im Alten Hafen entsteht derzeit eine ausgedehnte Fußgängerzone. Sie ist Teil des gigantischen Stadtentwicklungsprojekts Euroméditerranée. Leer stehende Areale. Industrieanlagen und Gebäudekomplexe werden mit Stararchitekten aus der ganzen Welt zu Wohn-, Lebens- und Kulturbereichen umgestaltet. Wie das nördliche Hafenareal vom Fort Saint Jean bis über den Place de la Joliette hinaus, das sich gerade in ein ultra-modernes Stadtviertel mit einer eindrucksvollen Meeresfront verwandelt: Das Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeerraums (Musée des civilisations de l‘Europe et de Méditerranée - MuCEM) am Fuß des alten Fort, das C-förmige Regionale Mittelmeerzentrum (Centre régional de la Méditerranée - CeReM)mit einem Gebäudeteil unter Wasser, der zu einem Theater- und Konferenzzentrum umgebaute Getreidespeicher Silo d'Arenc, die einem Sprungbrett ähnliche Villa Méditerranée und der unübersehbare, 147 Meter hohe Wolkenkratzer der Reederei CMA-CGM sind einige dieser architektonischen Highlights. Unberührt von allem und im spannenden Kontrast hat hier auch die mächtige Kathedrale von Marseille ihren Platz.

 

Altstadtviertel Le Panier

Gleich dahinter erstreckt sich hangaufwärts das beschauliche Gassengewirr des historischen Viertels Le Panier. Der einstige orientalischen Basar ist zwar traditionellen Läden und Handwerksbetrieben, gepflegten Bars und Restaurants, Boutiquen, Galerien und Museen gewichen, der Zauber des alten Marseille ist aber noch spürbar. Das hier im 17. Jahrhundert für die Armen gebaute geräumige Krankenhaus (VieilleCharité) ist heute ein sehenswertes und vielseitiges Museums- und Kulturzentrum.

 

Mit dem Boot zum Südufer des Alten Hafens

Zurück am Quai du Port, am Nordufer des Alten Hafens, ist das rosafarbene Rathaus nicht zu übersehen. Vom Platz davor pendelt - bequem und kostenlos - ein Elektroboot (Ferry) zum südlichen Hafenufer. Nur wenige Schritte sind es bis zum stimmungsvollen Shopping-Viertel rund um den Place aux Huiles und den Cours Honoré d‘ Estienne d‘ Orves, in die romantischen Seitengassen und zu den kleinen Restaurants mit den typischen regionalen Köstlichkeiten: Wie ein Fischgericht (Bouillabaisse oder Bourride), eine Gemüsesuppe (Soupe au Pistou), ein Schmorfleisch (Daube) oder gar Schafsfüße und -magen (Pieds et Paquets). Unglaublich viele, selbstgemachte Schokoladensorten gibt es ein Stück weiter in der Chocolatière du Panier (35 Rue Vacon), einer kleinen Seitengasse des Boulevards Canebière.

 

Auf dem Hügel dahinter ragt die Basilika Notre Dame de la Garde in den Himmel. Unzählige Votivbilder schmücken das Innere der Wallfahrtskirche. Von der Turmspitze dieses Wahrzeichens von Marseille blickt die gold-glänzende Statue "La Bonne Mère" weit über die Hafenstadt. Für Sportinteressierte mag auch ein Blick hinter die Kulissen des Vélodrome-Stadions weiter im Süden spannend sein, in dem die Fußball-Europameisterschaft 2016 ausgetragen werden wird.

Marseille-Provence 2013. Europäische Kulturhauptstadt

Für Kunst- und Kulturinteressierte ist bereits 2013 ein ideales Jahr: Marseille und mit ihr gleich eine ganze Region sind heuer europäische Kulturhauptstadt Europas. Eng verknüpft mit der Stadtentwicklung zieht sich „Kunst, Kultur und das Leben rund um das Mittelmeer“ als roter Faden durch das Veranstaltungs-Programm. Ihrem Ruf als „mediterraner Schmelztiegel“ wurde die südfranzösische Hafenstadt bereits mit der Eröffnungsausstellung in einer ehemaligen Tabakfabrik gerecht, die Arbeiten von 39 Künstlern aus dem Mittelmeerraum zeigt. Die dreiteilige Skulptur "Room in Aix" des Österreichers Franz West wurde beim zeitgleich in Aix-en-Provence eröffneten Openair-Parcours zeitgenössischer Kunst präsentiert. Er ist übrigens einer von zehn österreichischen Künstlern, die mit ihren Beiträgen das Kulturhauptstadtjahr bereichern.

 

Rund um den Bahnhof Saint Charles

Bei einem Abstecher in den großen und ruhigen Stadtpark (Jardin Public) unweit des Bahnhofs Saint Charles stößt man zuerst auf die Wasserspiele und mächtigen Steinfiguren des prachtvollen Palais de Longchamp. In seinem Inneren warten zwei weitere attraktive Museen auf Besucher: Das Museum der Schönen Künste (Beaux Arts) und das Naturgeschichte Museum (Histoire Naturelle). Entspannung im Grünen gibt es dann in der dahinter liegenden ausgedehnten Parkanlage.

Auf der Rückseite des Bahnhof- und Transport-Zentrums hat sich um die drei Gebäudekomplexe einer aufgelassen Zigarettenfabrik das bunte Szene- und Kulturviertel Belle de Mai entwickelt. An dieser Schnittstelle zwischen einer Sightseeing-Innenstadt und dem unruhigen Norden Marseilles leben Künstler, Studenten und Familien unterschiedlichster Kulturen.

 

Das ungewöhnliche Ausmaß des Stadterneuerungsprogramms Euroméditerranée und das Kulturhauptstadtjahr Marseille-Provence 2013 haben in der immer noch etwas geheimnisvollen Mittelmeermetropole vieles in Bewegung gebracht und verändert. Einst wie heute strahlt in Marseille aber an 300 Tagen im Jahr die Sonne und sorgt der Mistral für einen klaren Himmel.

 

Marseille im Internet

 

Stand: Frühjahr 2013.

Gekürzt und geändert veröffentlicht: Marseille 2013. In: box. Das Südsteiermarkmagazin. Ausgabe 56 Frühling 2013. Seite 40 - 41.

Kunst-Projekte der Europäischen Kulturhauptstadt „Marseille-Provence 2013“ mit Österreich-Bezug

Das Österreichische Kulturforum Paris ist ein offizieller Partner der EU-Kulturhauptstadt „Marseille-Provence 2013“ und hat die Teilnahme österreichischer Künstler gefördert. Zehn österreichische Beiträge wurden in das offizielle Veranstaltungs-Programm aufgenommen.

 

Franz West. Seine dreiteilige Skulptur "Room in Aix" wurde gleich Anfang des Jahres beim Open-Air-Parcours zeitgenössischer Kunst (Parcours d`art contemporain) gezeigt und stand vor dem Justizpalast in Aix-en-Provence.


Peter Friedl. Eine Installation des Konzeptkünstlers wird in der internationalen Ausstellung "Le Pont" ("Die Brücke") des Museums für zeitgenössische Kunst in Marseille (Musée d`Art Contemporain, MAC) vom 25. Mai bis 20. Oktober zu sehen sein.


Christina Starzer. Die bildende Künstlerin wurde für eine internationale Ausstellung „Consul´Art“ im Juli in Marseille vorgeschlagen.


Erich Wolfgang Korngold. Seine letzte Oper "Die Kathrin" wird im Rahmen des Festivals "Musiques Interdites" am 6. Juli im Hof der Präfektur Marseille unter Mitwirkung von österreichischen Sängern konzertant aufgeführt.


Gabriele Proy. Die Komponistin und Musikerin wird mit dem MOZARTe Quintett Salzburg am 7. September die neu errichtete Musikhochschule von Aix-en-Provence mit "Lavandula vera", einem Auftragswerk des österreichischen Kulturforums Paris, eröffnen.


Wolfgang Muthspiel. Der österreichische Jazzmusiker wird mit seinem Projekt "Vienna Naked" im November im Rahmen des Festivals Jazz sur la Ville in Marseille zu Gast sein. Erstmals wird er seinen neuen Liedzyklus, begleitet von Gitarre und einem virtuosen internationalen Ensemble, in Frankreich präsentieren.


Mia Zabelka. Die österreichische Avantgarde-Musikerin und Komponistin wurde von der Marseiller “Groupe de Recherche et d'Improvisation Musicales(GRIM), einer Vereinigung von Experimentalmusikern und Musikproduzenten, eingeladen, im Dezember ein Konzert im Rahmen des Festivals „Nuits d´hiver#11“ zu geben.


Thomas Groß. Der Regisseur greift mit seinem Theaterstück "Slobodija Odysseia, mon Amour" die Geschichte der Odyssee und das Schicksal der Roma auf. Österreichische und französische Roma-Mitglieder werden ihre Erfahrungen der Wanderschaft den Bildern der Odyssee und Schicksalen von Migranten gegenüberstellen. Das Stück wird von der österreichischen Theatergruppe "Bahamut" konzipiert und im Marseiller Théâtre Toursky am 4. Oktober uraufgeführt.


Nacht des österreichischen Avantgardefilms. Diese ist in Zusammenarbeit mit dem Pariser "Centre Georges Pompidou" für Marseille geplant.


Ici Même. Dieses Projekt beleuchtet die Geschichte Marseilles während des 2. Weltkriegs. Das Konzept einer Ausstellung und von Markierungen von historisch wichtigen Orten wurde vom Projekt "in situ - Linz 09" übernommen und weiterentwickelt..


balades urbaines. Das als "Kulturlotsinnen - Linz 09" konzipierte Projekt wird in Marseille weitergeführt. Es löst Migranten aus ihrer Isolation, ermöglicht diesen eine sprachliche sowie berufliche Ausbildung und eröffnet damit Touristen ungewöhnliche Einblicke in das Leben von Marseille.


www.fca-fr.com

www.mp2013.fr

 

 

Quelle: Weiterführende Informationen des Österreichischen Kulturforum Paris (Forum Culturel Autrichien) vom 27.Februar 2013.

Kulturhauptstadt Marseille. Fotogalerie

Marseille. Sehenswerter Mittelmeerhafen

Text und Fotos: Reinhard A. Sudy

Blick vom alten Hafen auf die Kathedrale Notre-Dame-de-la-Garde.

An der gegenüberliegenden, südlichen Seite des Hafenbeckens sieht man hoch oben auf einem Hügel das Wahrzeichen der Stadt. Die Kathedrale Notre-Dame-de-la-Garde wurde im 19. Jahrhundert im neoromanischen-byzantinischen Stil anstelle einer alten Wallfahrtskapelle der Schiffer und Seeleute erbaut. Unzählige Votivbilder schmücken das Innere. An der Spitze des Glockenturms glänzt die vergoldete Statue der Jungfrau "La Bonne Mère". Die Plateaus rund um diese Kathedrale bieten den Besuchern einen herrlichen Panoramablick.

Sehenswert ist auch ein andere, mächtiger Kirchenbau: Zwischen dem Hafenbecken der Joliette (Bassin de la Grande Joliette) und dem aufsteigenden Hügel des Altstadtviertels Le Panier steht verkehrsumtost die prachtvolle Kathedrale Notre-Dame-de-la-Major.

Hafenstadt Marseille. Fotogalerie

Lesestoff

Daniel Winkler (Hg.). Marseille und die Provence

 

2013. Der Alte Hafen von Marseille prägt nach wie vor die bunte Atmosphäre der zweitgrößten Stadt Frankreichs, die vor rund 2600 Jahren gegründet wurde. Immer noch liegt ein Hauch von Abenteuer über Marseille, Frankreichs Tor zum Mittelmeer und Kulturhauptstadt Europas im Jahr 2013. Dieser Charme von Farbe und Schatten ist auch in der Sammlung von vielen erstmals übersetzten Texten spürbar. Die Lese-Wanderung ist ein Streifzug durch Gassen und Boulevards, über Plätze und Quais im Zentrum von Marseille, führt in die Randgebiete und weiter ins Hinterland, z. B. nach Aix-en-Provence oder Arles, um am Ende wieder zurück. Die Sammlung enthält Beiträge der deutschsprachigen Exilliteratur, von bekannten französischen und arabischen Autoren sowie bislang ungehörte Stimmen der jüngeren Literaten und Musikergeneration: Eine berührende Kurzgeschichte läßt die Mutter von Zinedine, der Fußballwelt eher als Zidane bekannt, mit ihren anfänglichen Sorgen und ihrem Stolz auf den Sohn zu Wort kommen, in einer anderen werden die "Marseiller Küche und ihre Legenden" köstlich-kritisch beschrieben. Lesenswert ist auch das Nachwort des Herausgebers über die "Krimilandschaft und Kulturhauptstadt" und das "Literarische Marseille".

 

Marseille und die Provence. Eine literarische Einladung

Verlag Klaus Wagenbach 2013. 194. SALTO. € 15.90. € (A) 16.40.

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