Im Südosten Frankreichs. Provence-Alpes-Côte d’Azur

Die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur im Südosten Frankreichs besteht aus den Départements Alpes-de-Haute-Provence, Alpes-Maritimes, Bouches-du-Rhône, Hautes-Alpes, Var und Vaucluse. Ihre Hauptstadt ist Marseille.

Hier lesen Sie über

  • Saint-Tropez. Rundgang mit kleinen Geschichten
  • Aix-en-Provence. Ehemalige Provence-Hauptstadt
  • Avignon. Einstige Papstresidenz

Saint-Tropez

Text: Reinhard A. Sudy

Fotos: Hedi Grager, Reinhard A. Sudy

Hafenmalereien in St. Tropez. © 2016 Reinhard A. Sudy

2016. Rund 100.000 Besucher täglich sollen in der Hochsaison das kleine, kaum 5.000 Einwohner zählende Hafen- und Küstenstädtchen Saint-Tropez und die angrenzenden Strände bevölkern. Wie den kilometerlangen Sandstrand in der berühmten Bucht 'Pampelonne' mit den ebenso bekannten Strandklubs wie Club 55, Nikki Beach oder Tahiti Plage. Viele Besucher kommen nur als Tagesgäste, die in Bussen oder ihren Autos zu den Stadtrand-Parkplätzen stauen und den (einstigen) Spuren von Künstlern und prominenten Gästen folgen. Ich selbst verbinde immer noch Brigitte Bardot, Gunter Sachs und Louis de Funès mit dem einstigen Fischerort zwischen Meeresküste und immergrünen Wäldern, dessen Charme sich aber am ehesten doch außerhalb der Sasion zeigt. Da kann man sich sogar zwischen freien Plätzen im ‚Roten Senequier‘ am Quai Jean Jaurès entscheiden und gelassen durch die kleinen Gassen der Altstadt bummeln.

Ein Spaziergang am Hafen, am Meer und durch Altstadt-Gassen

Mein Rundgang durch Saint-Tropez beginnt am großen, von Platanen gesäumten und angenehm schattigen Place des Lices, an den der Parkplatz am Place du 15eme Corps angrenzt. Von seiner nördlichen Begrenzung, dem Boulevard Vasserot, zweigt die schmale Rue Georges Clemenceau ab, eine Fußgängern vorbehaltene schmale Gasse mit vielen hübschen kleinen Läden. Sie endet am Vieux Port, dem alten Hafen. Rechterhand beginnt der Quai Suffren, der bei der unübersehbar roten Cafe-Patisserie Senequier in den Quai Jean Jaures übergeht.

Blick auf das unübersehbare Rot des Cafe Senequier. © 2016 Reinhard A. Sudy

Von Wachturm zu Wachturm

Wir folgen den Quais Richtung Leuchturm und spazieren vorbei an den Cafes, Bars und Restaurants auf der einen und den prachtvollen Yachten auf der anderen Seite. Vielleicht ein schneller Cafe, bevor wir im Hafenwinkel vor einem alten Wachturm stehen. Linkerhand zieht sich die Mole mit Fischkuttern und kleineren Booten bis zum Leuchtturm hin, wir aber gehen durch den Tour du Portalet und blicken - romantische Uferfelsen vor uns - über die weite Wasserfläche bis nach Sainte-Maxime. Von diesem beliebten Fotomotiv halten wir uns rechts und folgen dem schmalen Weg, immer am Ufer der Bucht (Glaye) entlang, bis zum nächsten Wachturm, dem Tour Vieille. Wir gehen auch um diesen herum in die nächste kleine Bucht, zum Plage de la Ponche, und hier bei nächster Gelegenheit hinauf in das Gassengewirr im Herzen der Altstadt.

Blick durch den Tour du Portalet. © 2016 Reinhard A. Sudy
Romantische Felsklippen hinter dem Tour du Portalet. © 2016 Reinhard A. Sudy
Ein schmaler Weg führt immer am Ufer und der Bucht entlang, auch um den nächsten Wachturm ganz im Hintergrund, dem Tour Vieille. © 2016 Reinhard A. Sudy
Blick zurück auf die beiden einstigen Wachtürme. © 2016 Reinhard A. Sudy
Hier geht es hinauf in das Gassengewirr der Altstadt. © 2016 Reinhard A. Sudy

Vom Meeresufer zur Zitadelle

'Immer der Nase nach‘ oder ‚Richtung Süden‘ als weitere Wegbeschreibung ist wohl nur schwer nachzuvollziehen. Also halten wir am Plage de la Ponche Ausschau nach dem Stiegenaufstieg zwischen den schlichten Häusern und dem schmalen Verbindungsweg zu den Sonnenschirmen des Restaurants La Pesquière. Hier beginnt die ruhige und gepflegte, schmale Rue des Remparts, der wir bis zum gleichnamigen Platz folgen. Geradeaus weiter geht es durch den ebenso angenehmen und schmalen Boulevard d'Aumale, der in die Rue de la Citadelle mündet. An dieser kleinen Kreuzung reihen sich Läden und Restaurants mit ihren einladenden Tischen am Straßenrand gemütlich aneinander. Bevor wie dieser Gasse abwärts Richtung Hafen und in eine Einkaufsstraße mit extravaganten Geschäften folgen, heißt es zu entscheiden, ob wir noch einen Abstecher hinauf zur Zitadelle machen, um ein wenig von oben auf Saint-Tropez und sein Umland zu schauen.

La Citadelle

Im Laufe des 16. Jahrhunderts entstand auf einer kleinen Hügelkuppe am Rande der Altstadt eine Festungsanlage, von der es auch heute noch einige schöne Ausblicke auf Meer, Stadt und Umland gibt. Ihr Herzstück ist eine mächtige Zitadelle, ein von einem tiefen Graben umschlossener sechseckiger Bau mit drei Wehrtürmen. Hier ist seit 2013 das neue Museum der Meeresgeschichte untergebracht.

 

La Citadelle de Saint-Tropez

Musée d’histoire maritime

1, montée de la Citadelle, 83990 Saint-Tropez

www.musees.saint-tropez.fr

Markttreiben und Nobelboutiquen

Mit oder auch ohne den Besuch der Zitadelle führt unser Weg nun bergab durch die Rue de la Citadelle, die dann ansatzlos zur Rue Victor Laugier wird. Auf unserem Weg bergab kreuzen wir immer wieder hübsche und belebte Seitengassen. Knapp vor den Quais im Hafenbereich öffnet sich dann unser schmales Gässchen und wir sehen schon einige der hier vor Anker liegenden Luxusboote. Am Ende der rechten Mauerwand liegt das Tourismusbüro und davor macht ein offener Mauerbogen neugierig. Am Vormittag lohnt es sich, hier zu einem kleinen Fischmarkt und dem Place aux Herbes dahinter durchzugehen.

Wir aber wenden uns - die ersten eleganten Läden vielleicht schon vor Augen - noch vor den Quais scharf nach links in die Rue François Sibilli. Diese weitet sich schon nach wenigen Metern zum Place de la Garonne, bevor sie in den Place des Lices, dem Ausgangspunkt unseres Rundgangs mündet. Doch bis dorthin gibt es einiges zu Sehen, wie z. B. das prachtvolle Garten-Gebäude-Ensemble des Restaurants Dior Des Lices.

Garten-Gebäude-Ensemble des Dior Des Lices, 13, Rue François Sibilli. © 2016 Reinhard A. Sudy

'Navette'. Sightseeing mit dem kleinen Saint-Tropez bus

Der Saint-Tropez Bus an der Haltestelle am Place des Lices. © www.saint-tropez.fr

Am Ausgangs- und Endpunkt unseres Spaziergangs durch Saint-Tropez, am Place des Lices, ist auch die Haltestelle des kleinen Saint-Tropez Busses. Mit einer Jahreskarte um 10 € oder für 0,50 € pro Fahrt wird er vor allem von Einheimischen benützt, die die Fahrtstrecken, Betriebstage und die raren Abfahrtszeiten genau kennen. Wir hatten Glück als wir gerade am Boulevard Vasserot beim Place des Lices spazierten und den kleinen Saint-Tropez Bus der Linie 1 knapp vor seiner Abfahrt entdeckten. Die interessante Fahrt brachte uns mit einigen Abstechern bequem bis zum Plage des Salins und auch gleich wieder zurück.

Cafe-Patisserie Senéquier

Er ist der Ferrari unter all den Cafes und Bars am Kai des alten Hafens von Saint-Tropez. Drei Reihen knallroter Tische und bequemer roter Regiestühle unter einer weithin sichtbaren, natürlich roten Markise, dazu der Blick auf eine Flotte dicht aneinander gedrängter, eher groß geratener Yachten davor, das sind seit Jahrzehnten die Markenzeichen des ‚Roten Senéquier‘. Nur beim Essen verdeckt ein weißes Tischtuch das strahlende Rot. Ja, und dann sind da noch je nach Tageszeit unterschiedlich vielen Menschen, die sich auf der Promenade und der Straße an diesem traditionsreichen Cafe vorbeischieben. Natürlich auch an den anderen Cafes, Bars und Restaurants davor und danach, aber das Senéquier hat für mich einen ganz eigenen Reiz. Ich mag es, hier ganz vorne unmittelbar an der verkehrsberuhigten - ein tolles Wort übrigens - Straße zu sitzen oder in der dritten Reihe, angelehnt an die Glasfront des Cafes an der Ecke Quai Jean Jaurès und Rue Victor Laugier. Dass der ‚Expresso, prix net service compris‘ zumindest für Touristen glatte 5 Euro kostet, nimmt man hier ohne Zaudern in Kauf. Le Café Senéquier, 1930 im Hafen von St. Tropez gegründet, verbirgt heute noch eine Überraschung: Den kleinen, etwas abgenützten Ladenraum der Patisserie Senéquier, die in ihren Vitrinen schon seit 1887 farbenfrohe Köstlichkeiten anbietet. Ein schmaler Gang führt nach hinten, vorbei an einer uralt und kompliziert anmutenden Produktionsmaschine, in die historische Patisserie, vor dessen Ladenfront sich der Place Aux Herbes öffnet, wochentags ein beliebter und belebter kleiner Marktplatz.

Hotels, Bars & Restaurants

Es gibt sie auch in Saint-Tropez, preiswerte Übernachtungs-Angebote, und natürlich einige ganz exklusive Hotels. Dazu unzählige Restaurants und Cafes in allen Preiskategorien, die dicht aneinendergereiht den Kai säumen oder im Gassengewirr der Altstadt oder in der näheren Umgebung auf ihre Gäste warten. Ein paar der zugegeben exklusiveren Hotels, Bars und Restaurants habe ich hier aufgelistet.

 

Hotel Byblos mit Restaurants und Bar

20 Avenue Paul Signac, 83990 Saint-Tropez, Frankreich

www.byblos.com

 

Hôtel de Paris Saint-Tropez

1 Traverse de la Gendarmerie, 83990 Saint-Tropez, Frankreich

www.hoteldeparis-sainttropez.com

 

L'Opéra Saint-Tropez

Résidence du Port, 83990 Saint-Tropez

www.opera-saint-tropez.com

 

Cafe-Patisserie Senequier

29 Quai Jean Jaurès, 83990 Saint-Tropez, Frankreich

www.senequier.com

 

Bar Du Port

7 oder 9 Quai Suffren, 83990 Saint-Tropez, Frankreich

www.barduport.com

 

Le Club 55

Plage de Pampelonne

43 Boulevard Patch, 83350 Ramatuelle, Frankreich

www.club55.fr

Saint-Tropez und Umgebung online

 

www.sainttropeztourisme.com | Site officiel de l'Office de Tourisme de Saint-Tropez

 

www.saint-tropez.fr | Site officiel de la mairie de Saint-Tropez

 

www.bravade-saint-tropez.fr/blog/ | Des Bravades de Saint-Tropez

 

www.coteazur-tourisme.com | Portail officiel du Tourisme sur la Cote a'Azur      

Mit großer Geschichte. Aix-en-Provence und Avignon

Frankreichs Kultur- und Baudenkmäler sind die Zeugen seiner bewegten Geschichte. Im tiefen Süden Frankreichs sind in den mittelalterlichen Städten und Dörfern in der sommerlichen Mittagshitze die Rollbalken der Läden heruntergezogen und die Fensterläden fest verschlossen. Erst am späteren Nachmittag füllen sich die kleinen Cafes unter den schattenspendenden Platanen und beginnt das Leben wieder zu pulsieren. So auch in den vielen kleinen und kleinsten Städtchen zwischen Marseille und Montpellier im Süden Frankreichs, die zufälligerweise wohl eines gemeinsam haben: den Anfangsbuchstaben A wie z. B. Aix-en-Provence, Avignon, Arles und Aigues-Mortes. Über die ersten beiden erzähle ich hier ein wenig.

Aix-en-Provence. Ehemalige Hauptstadt der Provence

Text und Fotos: Reinhard A. Sudy

Sehr ansprechend ist der vordere Altarteil der Cathedrale Saint-Sauveur mit seinen schwungvoll-modernen, goldfarbenen Elementen. © Reinhard A. Sudy

Eine der schönsten Städte Frankreichs ist die Geburts- und Heimatstadt des Malers Paul Cézanne. Sein einstiges Atelier und auch die legendäre Stein-Hütte nahe einem Steinbruch, wo er oft übernachtete, um schon am frühen Morgen im strahlenden Licht der Provence zu arbeiten, sind einen Besuch wert. Metallene Pflastersteine in der Stadt zeigen die Wege, die der große Sohn von Aix oft gegangen ist. Sie führen von seinem Geburtshaus bis zu seiner letzten Ruhestätte im Friedhof St. Pierre.

Auch der Schriftsteller Émile Zola verbrachte hier einige Schulzeit-Jahre. Ihn verband seit der Schulzeit eine eigenwillige Freundschaft mit Paul Cézanne verband, die jedoch zerbrach.

Im Zentrum der ehemaligen Hauptstadt der Provence beeindrucken die prachtvollen Platanenalleen mit den vielen Blumen, die ockerfarbenen Gebäudefassaden der Patrizierhäuser und - auf einer Straßenseite - die dicht gedrängten Restaurants, Cafés und Geschäfte. Dahinter schließt unmittelbar die auf einem Hügel gelegene mittelalterliche Altstadt an. Ein Gewirr von kleinen, teils engen und winkeligen Gässchen und sich plötzlich öffnenden Plätzchen führt den Besucher zu historischen Bauten, Museen, Geschäften und Lokalen jeder Art.

Ein Jährlicher Höhepunkt ist das große Musik-Festival im Juli.

www.festival-aix.com

 

Cathedrale Saint-Sauveur

Ein ganz besonderes Highlight ist die Cathedrale Saint-Sauveur in der Rue G.-de Saporta mit einem sehenswerten romanischen Kreuzgang, der auf unsere Nachfrage aufgesperrt wurde. Unvergessen ist auch der vordere Altarteil mit ungewöhnlich modernen und schwungvoll goldfarbenen Elementen.

 

Fondation Vasarely​

Von den meisten Besuchern vergessen wird ein Besuch der Fondation Vasarely. Das avantgardistische Gebäude, von Künstlern selbst finanziert, liegt etwas außerhalb des Stadtkerns, ist aber leicht zu erreichen.

Avignon. Einst Papstsitz und viel besungene Brücke

Text und Fotos: Reinhard A. Sudy

Vor den Stadtmauern der einstigen Papstresidenz Avignon. © Reinhard A. Sudy
Die teilweise noch erhaltene, berühmte Rhone-Brücke Pont St.-Benézét vor der Stadtmauer von Avignon. © Reinhard A. Sudy

Diese südfranzösische Stadt war im 14. Jahrhundert fast 70 Jahre lang Sitz einiger Päpste und ist Geburtsort der berühmten Sängerin Mireille Mathieu. Als ich durch eines der Rhône-seitigen Tore der Stadtmauer in der Nähe des gewaltigen Papstpalastes (Palais des Papes) in die Altstadt fuhr, war ich überrascht von dem pulsierenden und gleichzeitig doch so gelassenen Treiben. Ich ging durch Fußgängerzonen und über blumengeschmückte Plätze, hatte zwischendurch einen Blick auf beeindruckende Erinnerungen an die große Vergangenheit Avignons und fand - unterstützt von hilfreichen Einheimischen - durch enge, ja engste Gassen zu einem kleinen schlichten Stadthotel.

 

Papstresidenz

Die alte Papststadt mit dem prachtvollen Palast, den Kirchen, Museen, Plätzen, Einkaufsstraßen und Gässchen wird von 4300 m langen massiven Stadtmauern umschlossen. Besonders sehenswert sind der gewaltige Papstpalast und die vor den Stadtmauern gelegene Brücke (Pont St. Bènèzet) über die Rhone. Von den ehemals 19 Brückenbogen sind heute noch 4 erhalten und auf ihnen die aus dem 12. Jh. stammende romanisch-gotische Kapelle.

 

Sur le Pont d‘Avignon

Weltweit bekannt ist Avignon aber wohl durch das alte Volkslied „Sur le Pont d‘Avignon ..." geworden, das diesen Pont St.- Benézét besingt. Auch ich habe dieses beliebte Fotomotiv mit den noch erhaltenen vier Brückenbogen besichtigt und fotografiert.

Kunst, Kultur und Theater sind in Avignon allgegenwärtig, der Kulturhauptstadt Europas 2000. Bereits seit 1947 findet im Juli das Festival von Avignon mit Theater-, Tanz- und Gesangsvorführungen statt.

www.festival-avignon.com

Stand: 2000 und 2008. Geringfügig ergänzt und geändert am 14. Juni 2012.
Veröffentlicht:
1. Südfranzösische Impressionen. Sehenswerte Städte und Städtchen in Frankreichs Süden: Aix-en-Provence, Avignon, Arles und Aigues-Mortes. In: Gsund. Menschen helfen Menschen. Nr. 28 Dezember 2000. Seite 42 - 43.
2. Avignon. In: Gsund. Menschen helfen Menschen. Nr. 60 Dezember 2008. Seite 59.

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