Venedig. Unterwegs in Castello und Cannaregio

Venedigs Altstadt ist in sechs “Stadtviertel” (sestieri) gegliedert: Die Sestieri San Marco, Castello und Cannaregio liegen linkerhand, also nördlich vom Canal Grande, und die Sestieri San Polo, Dorsoduro und Santa Croce liegen rechts und damit südlich davon.

 

Hier lesen Sie über Interessantes und Sehenswertes im Stadtteil Castello:

  • Campo Santi Giovanni e Paolo
  • Venedigs Inselspital. Ospedale SS. Giovanni e Paolo
  • Fotogalerien

Venedig. Rund um den Campo Santi Giovanni e Paolo

Text und Fotos: Reinhard A. Sudy

Der regennasse Campo Santi Giovanni e Paolo mit den Fassaden der Basilica dei Santi Giovanni e Paolo und der Scuola Grande di San Marco. (Foto: Sudy)

Einer der sehenswerten und größten Plätze Venedigs, der gleich zwei Heilige als Namensgeber hat, ist der Campo Santi Giovanni e Paolo im "Stadtviertel" Castello. Hier im nordöstlichen Teile von Castello sind die beiden katholischen Märtyrer und Heiligen Johannes und Paulus gleich mehrfache Namensgeber: Für einen Platz, eine Kirche und ein Spital.

 

Basilika und Scuola

Hinter dem Reiter-Denkmal auf dem Campo Santi Giovanni e Paolo, einem der größten Plätze der Stadt, ragen auf den ersten Blick zwei unmittelbar aneinander gebaute, kirchenähnliche Gebäude in die Höhe: Der gewaltige gotische Backsteinbau mit der schlichten Fassade ist die Basilica dei Santi Giovanni e Paolo. In ihr sind zahlreiche venezianische Dogen und Adelsfamilien bestattet. Die prachtvolle Fassade mit illusionistischen Reliefs dagegen schmückt die Scuola Grande di San Marco, ein Hauptwerk der venezianischen Frührenaissance. Heute ist sie ein Teil des Ospedale SS. Giovanni e Paolo und führt damit eine traditionelle Aufgabe fort. Denn die Scuole waren schon früh Orte sozial-karitativer und auch geistlicher Tätigkeit von Zünften und Laienbruderschaften. Eine Kostbarkeit sind die Bibliothek der Scuola Grande mit einer überaus fein strukturierten Holzdecke mit Gold-Einlegearbeiten und die großflächigen Werke von Domenico Tintoretto.

 

Rund um den Campo Santi Giovanni e Paolo

In Vorbereitung!


Venedigs Inselspital. Wurzeln und Gegenwart des Ospedale SS. Giovanni e Paolo

Text und Fotos: Reinhard A. Sudy

Es ist gerade ein Jahr her, dass Venedig, die Hauptstadt der Region Venetien und der Provinz Venedig im Nordosten Italiens, das Ausstellungsthema im niederösterreichischen Renaissanceschloss Schallaburg war. „Venedig – Seemacht, Kunst und Karneval“ zeigte die vielen Facetten der Lagunenstadt an der adriatischen Küste und die spannende Entwicklung von der ehemaligen See- und Handelsmacht zur heutigen Kultur- und Tourismusmetropole Europas (www.schallaburg.at > Archiv der Ausstellungen).

 

Kunst und Kultur Festivals

So sind die großen Kunst- und Kultur-Veranstaltungen zu wahren Besuchermagneten geworden: Die Kunstbiennale etwa, die in den ungeraden Jahren stattfindet, oder die Architekturbiennale in den geraden Jahren. Die Filmfestspiele auf dem Lido sowie das Festival für Musik, Tanz und Theater finden jährlich statt.

 

Österreichs „Venedig“ zur Habsburgerzeit

Über mehr als ein halbes Jahrhundert (1798 - 1805 und 1814/1815 - 1866) war, wenn auch nicht ganz freiwillig, die Entwicklung Venedigs als Teil der Habsburgermonarchie eng mit der österreichischen Geschichte verknüpft. Eugen Semrau machte sich auf Spurensuche und schildert diese Zeit ausführlich (Österreichs Spuren in Venedig. Styria Premium Verlag 2010.). An diese Zeit erinnert auch eine der Erzählungen der Venedig-Krimi Autorin Donna Leon, die für ihre aktuellsten Bücher in den alten Dokumenten und Aufzeichnungen des Archivio di Stato fündig geworden ist. In Ihrer Geschichte des letzten Endes tragischen Schicksals eines Elefanten, der während des Karnevals 1818/1819 zur allgemeinen Belustigung in die Lagunenstadt gebracht worden war, kommt auch Kaiser Franz I. von Österreich vor. Er soll sich mit seiner damaligen Gattin und einigen Kindern während eines Venedig-Besuchs an diesem Spektakel ergötzt haben (Ein Elefant in Venedig? In: Diogenes Magazin Nr. 9 Frühling 2012. Seite 20 - 23.).

 

Inselspital einst und heute

In diese Zeit fällt auch die Nutzung des - ursprünglich zu einem Militärspital (1797) zusammengefassten - großen Gebäudekomplexes von Scuola Grande di San Marco, Convento dei Domenicani und Ospedale e Chiesa di San Lazzaro dei Mendicanti am Campo Santi Giovanni e Paolo als ziviles, öffentliches Spital (1819). Michele Alzetta, der Direktor des “pronto soccorso dell’ ospedale SS. Giovanni e Paolo di Venezia” schildert diese Entwicklung zum heutigen Ospedale SS. Giovanni e Paolo, dem Inselspital, sehr fundiert (The St. John and Paul hospital in Venice. In: Journal of Medicine and the Person.Volume 8 Number 3 (2010). Pages 137-139. Springer Verlag 2010.).

Heute versorgt das Ospedale SS. Giovanni e Paolo im sestiere Castello die Einwohner von Venedig, die auf den zahlreichen Landzungen undInseln der Lagune von Venedig (darunter die Altstadt mit Murano und Burano) leben. Der überaus weitläufige Gebäudekomplex besteht aus einigen modernen Spitalsbauten und vier historischen Bauwerken: Scuola Grande di San Marco, Convento dei Domenicani , Ospedale e Chiesa di San Lazzaro dei Mendicanti und Chiesa e Convento di Santa Maria del Pianto. Das prachtvolle, säulengesäumte Eingangsportal der Scuola Grande di San Marco ist der stadtseitige Haupteingang des „Inselspitals“ am Campo San Giovanni e Paolo. Ein weiterer wichtiger Zugang ist unmittelbar bei der Vaporetto-Haltestelle Ospedale an der Fondamente Nuove. Hier ist auch die Anlegestelle der spitalseigenen Rettungs-Schnellboote.

 

Kanäle, Brücken und Boote

Wohl den meisten Besuchern Venedigs bleiben das Labyrinth der Gassen und die vielen Kanäle und Brücken in Erinnerung: Ungefähr 444 Brücken und 175 Kanäle sollen es sein. Dass die alten Holzbrücken mittlerweile durch Steinbrücken ersetzt und - bis auf zwei Brücken - mit Geländern versehen und dass einige Wasserwege zugeschüttet worden sind, ist eher wenigen bewusst. Unvergessen aber sind sicherlich die bekanntesten Verkehrsmittel Venedigs: Die überwiegend touristisch genutzten Gondeln und die Vaporetti, die im öffentlichen Verkehr eingesetzten Schiffe. Meine bevorzugten Boote sind ja die Traghetti: Diese queren an acht Stellen den Canal Grande, der nur von vier Brücken überspannt wird, und bringen ihre meist stehenden Fahrgäste von der einen Uferseite auf die andere. Neben den Taxi- und den (viel zu) vielenprivaten Motorbooten gibt es noch die Bootsflotten der verschiedenen Polizeieinheiten, der Feuerwehr und anderer öffentlicher Institutionen (wie z. B. der städtischen Müllabfuhr). Eine Besonderheit ist die kleine Flotte von Booten des Ospedale SS. Giovanni e Paolo.

Notarzt in Venedig. Ein Blick hinter die Kulisssen der Lagunenstadt Venedig. Zahllose Kanäle, enge Gassen, Brückenstufen und liftlose Gebäude stellen überaus hohe Anforderungen an das moderne Rettungs- und Notarztwesen der Inselwelt.

Campo San Giovanni e Paolo. Fotogalerie (2012)

Inselspital "Ospedale SS. Giovanni e Paolo". Fotogalerie (2012)

Venedigs Boote. Fotogalerie

Gondel-Armada am Markus-Platz.(Foto: Sudy)

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