Graz. 'Stolpersteine' mit kleinen Gedenkplatten

Stolpersteine-Verlegung vor dem Grazer Opernhaus

 

2020. Die bereits für den 13. März 2020 vorgesehene Verlegung von vorerst 3 Stolpersteinen vor der Oper Graz wurde wegen der Einschränkungen durch das Corona-Virus abgesagt bzw. verschoben.

Blick vom Rosarium über den Opernring auf das Opernhaus. © 2020 Reinhard A. Sudy

Vorgesehen ist die Verlegung von 3 Stolpersteinen, und zwar für

  • Ella Flesch, Sopranistin
  • Fritz Jahoda, Pianist und Dirigent
  • Hertha Heger, Schauspielerin

 

 

Vorschau  - bitte Geduld!

 

 

Nicht vergessen: 27 vertriebene jüdische Schüler des Grazer Oeverseegymnasiums

 

2020. Ich habe sie erst kürzlich entdeckt - die 27 Stolpersteine am kleinen Vorplatz im Eingangsbereich des Oeverseegymnasiums Graz. Sie wurden bereits am 27. Juni 2017 bei strahlendem Wetter und im Rahmen einer berührenden und stimmungsvollen Gedenkfeier enthüllt. Die vielen Messingplatten erinnern heute an ehemalige jüdische Schüler, die nach dem 'Anschluss' ihrer Schule verwiesen worden sind. 

27 Stolpersteine für ehemalige jüdische Schüler vor dem Oeverseegymnasium, Oeverseegasse 28, Graz. © 2019 Reinhard A. Sudy

Diese Stolpersteine sind für folgende Schüler verlegt worden:


Franz Adler
Erich Bonyhady
Hans Bernhard Braun
Alfred Deutsch
Edgar Düdner
Artur Eibuschütz
Kurt Eisler
Leopold Enis
Rudolf Fleischhacker
Ernst Jagoda
Otto Günter Klein
Klemens Landau
Kurt Landskroner
Helmut Neufeld
Karl Walter Neufeld
Axel Rosenberger
Leo Roth
Max Schön
Robert Schwarz
Otmar Silberstein
Walter Stein
Fritz Strauß
Kurt Weinberger
Egon Hans Weiß
Fritz Gerhard Weiß
Karl Leopold Wolf
Max Wulkan

 

Vorplatz und Zugangsbereich des Grazer Oeverseegymnasiums mit den 27 Stolpersteinen. © 2019 Reinhard A. Sudy

Stolpersteine in der Afritschgasse und der Johann Fux-Gasse

 

2019. Nach dem Konzept des Künstlers Gunter Demnig wurden in Graz seit 2013 bereits 178 Stolpersteine verlegt. Sie erinnern besonders an die Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Selbstmord getrieben worden sind.

Am 19. September 2019 wurden nun in einer feierlichen Zeremonie in Anwesenheit des Künstlers mit Beginn in der Afritschgasse 35 an vier Adressen 10 Stolpersteine für jüdische Opfer und Widerstandskämpfer verlegt. Nun erinnert die kleine Messingplatte vor dem Gebäude Afritschgasse 35, Graz, an Klementine Thalhofer Tolczyner [geborene Hirschler], die 1943 in Auschwitz ermordet worden ist. Und eine schwarze Steintafel an der Hausmauer weist darauf hin, daß hier Anton Afritsch gelebt und gewirkt hat. 

14 weitere Stolpersteine für alle Opfergruppen folgten dann am 27. September 2019 an acht weiteren Adressen, beginnend in der Johann Fux-Gasse 35.

 

[Quelle: Kronen Zeitung Extra, Steiermark, Ausgabe Herbst 2019, Seite 2]

 

Mehr: 

www.stolpersteine-graz.at

www.stolpersteine-graz.at/verein | Verein für Gedenkkultur in Graz

 

Erinnerungen an Anton Afritsch [Kinderfreunde-Gründer] und die Familie Loewi [mit Medizin-Nobelpreisträger Otto Loewi]

 

Eine schwarze Steintafel an der Hausmauer Afritschgasse 35, Graz, erinnert an den Namensgeber dieser Gasse, Anton Afritsch [geb. 8. Dezember 1873 in Klagenfurt | gest. 7. Juli 1924 in Graz]. Er hat in diesem Wohngebäude gelebt und gewirkt. Über diesen engagierten 'Grazer Stadtrat und Sozialpolitiker,  Redakteur des Arbeiterwille und Gründer der Kinderfreunde-Bewegung' informiert auch eine weitere, schon etwas verwitterte graue Gedenktafel ganz am Ende der Afritschgasse/Ecke Volksgartenstraße 18.

 

Am Gehsteig vor der Villa Johann Fux-Gasse 35, Graz, erinnern vier kleine Messingplatten an Mitglieder der Familie Loewi, die nach England bzw. in die USA fliehen konnten.

Die goldfarbene Inschrift einer Gedenktafel an der Hausmauer informiert darüber, dass hier von 1916 zu seiner Vertreibung durch das NS Regime 1938 der Medizin-Nobelpreisträger Otto Loewi [geb. 3. Juni 1873 in Frankfurt am Main | gest. 25. Dezember 1961 in New York City] gelebt hat. Die Auszeichnung mit dem Nobelpreis 'für die Entdeckung des Chemismus der Übertragung des Nervenreizes' erhielt er bereits 1936, als er Ordinarius der Pharmakologie und Pharmakognosie an der Karl-Franzens-Universität Graz war [1909-1938].

2016. Unter den vielen neuen Gedenksteinen, die im Sommer dieses Jahres in der steirischen Landeshauptstadt verlegt wurden, ist ein ganz besonderer: Seine Gravur ist in Blindenschrift gehalten.

Und gleich drei Stolpersteine nebeneinander erinnern an die Familie Herzog.

Gedenktafel und Stolpersteine für Irene Ransburg

Die beiden Stolpersteine erinnern an Irena Ransburg. © 2016 Reinhard A. Sudy

Ein ‚klassischer‘ Gedenkstein gemeinsam mit einem in Blindenschrift erinnern an die 1898 in einem jüdischen Elternhaus geborene Irene Ransburg, die nach dem frühen Tod ihrer Eltern von ihrer oststeirischen Adoptivfamilie christlich erzogen worden ist. Als sie mit 16 Jahren blind und gehörlos wurde, kam ins Grazer Odilien-Institut und blieb hier ihr weiteres Leben. Irene Ransburg wurde jedoch verraten, von der Gestapo 1944 abgeholt und in Auschwitz-Birkenau im Alter von 46 Jahren ermordet.

Bereits 2015 war für sie eine Gedenktafel im Odilien-Institut in der Grazer Leonhardstraße enthüllt worden. Nun wurden ihr im August 2016 sogar zwei Gedenksteine gewidmet. Der mit den Eckdaten der Biographie von Irene Ransburg in Brailleschrift ist der erste seiner Art in ganz Europa.

Erinnerungen an die Familie Herzog

3 Stolpersteine für die Familie Herzog, Radetzkystraße 8, Graz. © Reinhard A. Sudy

Gleich drei weitere neue Gedenksteine gibt es nun auch vor dem einstigen Wohnhaus der Familie Herzog in der Radetzkystraße 8. Sie erinnern an David Herzog, den letzten Oberrabbiner der Steiermark und Kärnten, und seine Familie.

 

Stand: Dezember 2016.

Meine ersten Stolpersteine in meiner Heimatstadt Graz

 

2015 - 2019. Da und dort begegnet man ihnen in den Grazer Straßen, steigt unachtsam darauf oder über sie hinweg: Kleine, leicht erhabene, messingfarben glänzende Gedenkplatten, die an einstige Widerstandskämpfer und Opfer des NS-Regimes erinnern. Es sind natürlich keine Stolpersteine, auch wenn das gut klingt und Aufmerksamkeit weckt. Es sind Betonquader mit einer Kantenlänge von zehn Zentimetern, auf deren Oberseite sich eine beschriftete Messingplatte befindet. 51 solcher Gedenksteine sollen es mittlerweile in Graz geben. Hier eine kleine Auswahl mir bekannter Gedenksteine in der Grazer Innenstadtbereich, auf die ich im Lauf der Jahre aufmerksam wurde.

  • Pestalozzistraße 67: Hier wohnte Richard Zach, Jahrgang 1919, der am 31.10.1941 verhaftet, am 17.8.1942 verurteilt und am 27.1.1943 hingerichtet wurde. Der am 23. März 1919 geborene Grazer Widerstandskämpfer und Dichter schrieb anläßlich seiner Verurteilung diese Zeilen: "Dennoch will ich Lieder singen, immer wieder, immer wieder. Brecht ihr ihnen auch die Schwingen, immer wieder sollen klingen, meine, meine Freiheitslieder."
  • Rechbauerstraße 27: Hier wohnte Josef Neuhold, Jahrgang 1890, der am 1.2.1941 verhaftet, am 28.7.1942 verurteilt, in der Haft gefoltert wurde und am 25.8.1942 starb.

 

  • Jakoministraße 10: Familie Dortort
  • Paulustorgasse 8: Franz Baranyai
  • Südtirolerplatz 10: Klementine Narodoslavsky
  • Annenstraße 31: Familie Blüh
  • Annenstraße 34: Familie Spielmann
  • Sackstraße 16: Michael Dicker
  • Mariahilferstraße 3: Familie Silberstein

 

Ein Stolperstein für Michael Dicker vor dem prachtvollen Tor zum Museum für Geschichte (Universalmuseum Joanneum), Sackstraße 16, Graz. © Reinhard A. Sudy

 

Verein für Gedenkkultur in Graz

 

Dieser Verein ist um 'die Förderung des sichtbaren und öffentlichen Gedenkens und des Erinnerns an die Opfer des Nationalsozialismus' bemüht. Er hat sich unter anderem der Umsetzung des Projekts Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig in Graz angenommen. Diese kleinen Gedenkplatten sollen helfen, die Erinnerung an die vielen ermordeten Widerstandskämpfer, Juden, Kommunisten, Homosexuellen und Roma wachzuhalten.So war in Graz beispielsweise am 17. Juli 2015 eine weitere Stolpersteine-Verlegung.

Die Homepage des Vereins zeigt bereits einige Standorte von Stolpersteinen und enthält auch einige ausführlichere Biografien.

www.stolpersteine-graz.at

 

Stand: Juli 2015.

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