Die Grazer Stadttore. Einst und heute

Text und Fotos: Reinhard A. Sudy

Einst waren es elf Stadttore, die den Zugang in die Grazer Stadt ermöglichten. Das Burgtor und das äußere Paulustor sind erhalten geblieben. An andere erinnern die Neutorgasse und der Platz am Eisernen Tor. In Vergessenheit geraten sind die drei Sacktore in der Sackstraße, das innere und das äußere Murtor, das innere Paulustor in der oberen Sporgasse und das Franzenstor am Ende der Burggasse.

 

Am Eisernen Tor. Vom Stadttor zur Platzanlage
Das südliche Ende der früher Bürgergasse genannten heutigen Herrengasse wurde einst durch das Eiserne Tor abgeschlossen, das auch „Ungartor" genannt wurde. 1860 wurde dieses „Eiserne Tor" abgetragen. Heute ist an dieser Stelle ein schön gestalteter Platz mit einer Springbrunnenanlage aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Hoch aufragend standen hier unmittelbar nebeneinander die Mariensäule mit der Goldenen Marienstatue und ein gläserner, rund 18 m hoher Lift. Dieser „Marienlift" -er wurde leider wieder abgetragen - entstand als Projekt im Rahmen von Graz 2003 - Kulturhauptstadt Europas.

Blick von einer Dachwohnung auf das 'Eiserne Tor'. © Reinhard A. Sudy
Blick auf das Burgtor von der Stadtparkseite aus. © Reinhard A. Sudy
Burgtor

Die Hofgasse mit dem prachtvollen Holzportal der Hofbäckerei Edegger-Tax führt am ehemaligen Priesterseminar vorbei zum Dom, Mausoleum und zur Burg. Sie endet am Burgtor, einem der beiden noch erhaltenen Grazer Stadttore. Das Burgtor wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet und verbindet heute das Grün des Stadtparks mit dem spätmittelalterlichen Stadtgepräge. Die stadtseitige Fassade zeigt sich noch im gotischen Baustil, die dem Stadtpark zugewandte Fassade bereits im Stil der Renaissance. Die von Kastanienbäumen gesäumte Erzherzog-Johann-Allee führt von hier noch heute in das damalige Vorstadtviertel St. Leonhard.

 

„Das Grazer Burgtor ist das älteste erhaltene Stadttor in Graz. Es wurde vermutlich ab 1336 im Zuge der nordöstlichen Erweiterung der Stadtummauerung errichtet. Die erste urkundliche Nennung als „Tor gegen die Grätz" stammt von 1346. Der Bau der östlich vorgelagerten Burgbastei unter dem Festungsbaumeister Domenico dell' Aglio erfolgte 1556 - 1567. Um 1570 wurde dem Burgtor im Osten ein dreigeschossiger Arkadengang vorgebaut und damit das Erscheinungsbild des gotischen Torturmes verunklärt. Der nunmehr durchgeführten Restaurierung ging eine genaue bauanalytische Putzschichtuntersuchung voraus, die Reste des originalen gotischen Kellenputzes mit weißer Fugenlinierung zutage brachte. Auch bisher nicht bekannte vermauerte gotische Fenstergewände konnten freigelegt werden. Durch Ergänzung des gotischen Kellenputzes im Bereich des Torturmes konnte dieser von der Nachbarbebauung und dem Rennaisancearkaden wieder deutlicher abgesetzt und in seiner ursprünglichen Proportion sichtbar gemacht werden."

(Quelle: Auszug aus dem Jahresbericht 2006 des Landeskonservators Friedrich Bouvier in: Denkmalpflege in der Steiermark. Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark. 98. Jahrgang. Graz 2007, Seite 348)

 

Paulustor

Von der Stadt kommend blickt man am Ende der Paulustorgasse auf die eher schlicht gehaltene, stadteinwärts gelegene Innenseite des äußeren Paulustors mit den beidseitigen schmalen Durchlässen. Es wurde im Zuge der Stadterweiterung 1623 von Kaiser Ferdinand II., dem Sohn Erzherzogs Karl II., erbaut. Es ist das einzig noch erhaltene Walltor des Renaissance- Befestigungsgürtels. Auf der dem Stadtpark zugewandten Seite des äußeren Paulustors sind zwei prächtige Marmorwappen: Das linke von Erzherzog Ferdinand, dem späteren Kaiser, und das rechte von seiner Gattin Maria Anna von Bayern. Auf dieser Seite führt die Maria-Theresia ins Geidorfviertel.

Quellen
1. Gustav Schreiner: Grätz. Ein naturhistorisch-statistisch-topographisches Gemählde dieser Stadt und ihrer Umgebungen. 1843. Neu herausgegeben in der Edition Strahalm, Graz 1997.

2. Edith Münzer: Alt-Grazer Spaziergänge. Edition Strahalm, Graz 1996.

 

 

Stand: Sommer 2012.

Veröffentlicht: Grazer Stadttore einst und heute. Erinnerungen und steinerne Zeugen einer einst wehrhaften Stadt. In: Gsund. Die besten Seiten der KAGes. Nr. 54 Juni 2007. Seite 52.

Quelle: www.gsund.net.

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