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Dr. Oktavia Aigner-Rollett. Die erste steirische Ärztin

Zweiteiliges Ehrenring-Denkmal in Graz

Text und Fotos: Reinhard A. Sudy

Die eine Denkmalhälfte in noch leicht winterlicher Landschaft vor dem äußeren Paulustor. Foto: Reinhard A. Sudy
Die andere Hälfte des Denkmals in lichter Unkrautwiese vor dem Gebäude Harrachgasse 21 mit der Aufschrift "Klinische Insitute". Foto: Reinhard A. Sudy

2005/2012. Zwei "halbe" Skulpturen des Ehrenrings an unterschiedlichen Standorten ergeben zusammen das Denkmal für Oktavia Aigner-Rollett, die erste Ärztin in Graz. Barbara Baur-Edlinger hat 1997 dieses zweiteilige Ehrenring-Denkmal für Oktavia Aigner-Rollett geschaffen. Der Standort der einen Denkmalhälfte ist die Vorklinik der Karl-Franzens-Universität Graz, an der sie studierte. Vor dem äußeren Paulustor in der Nähe ihrer ehemaligen Wirkungsstätte, dem Allgemeinen Krankenhaus, steht die andere Denkmalhälfte.

 

 

Stand: 2005. Aktualisiert im Februar 2012.

Veröffentlicht: Oktavia Aigner-Rollett. In: Gsund. Die besten Seiten der KAGes. Nr. 47 September 2005.

Erinnerungen an die Arzt-Pionierin Aigner-Rollett

Text: Norbert Weiss

Fotos: 

Kurze Biographie



Oktavia Aigner-Rollett wurde am 23. Mai 1877 im Institut für Anatomie und Physiologie der Medizinischen Fakultät in Graz geboren, dem damaligen Dienst- und Wohnort ihres Vaters Prof. Dr. Alexander Rollett. Heute steht hier die Vorklinik. Sie maturierte 1900 als am Ersten Staatsgymnasium in Graz, dem heutigen Akademischen Gymnasium. Nach ihrer Promotion am 9. Dezember 1905 trat Oktavia Aigner-Rollett als erste Ärztin am Grazer Landeskrankenhaus ihren Dienst an. Im Oktober 1906 wurde sie wiederum als erste Frau in Österreich Sekundarärztin im Grazer Anna-Kinderspital. Später eröffnete sie eine eigene Praxis in Graz.

"Meine Herren, meine Damen"

 

Mit welchen Worten soll eine Frau eine Rede beginnen? - Diese Frage erschien vor hundert Jahren, als es noch durchaus ungewöhnlich war, dass auch Frauen sich öffentlich zu Wort meldeten, keineswegs geklärt. Dr. Oktavia Aigner-Rollett, die erste steirische Ärztin, meinte, es würde wohl die Höflichkeit gebieten, an erster Stelle die Zuhörer des anderen Geschlechts anzusprechen, und pflegte daher zu sagen: „Meine Herren, meine Damen ..."

 

Vieles im Leben dieser Pionierin ihres Berufsstandes verlief außergewöhnlich. Als sie vor genau hundert Jahren als erste Ärztin am Grazer Landeskrankenhaus ihren Dienst antrat, war sie schon fast dreißig Jahre alt und hatte auf dem Weg zum Arztberuf vielfältige Hürden überwunden. Am 23. Mai 1877 an der Stelle der heutigen Vorklinik (dem damaligen Dienst- und Wohnort ihres Vaters Prof. Dr. Alexander Rollett) geboren, durchlebte sie eine Kindheit und Jugendzeit, in der die Frage des Frauenstudiums so heiß diskutiert wurde, wie nie zuvor oder danach.

 

Als erste Grazerin maturierte sie im Jahr 1900 am Ersten Staatsgymnasium in Graz (heute Akademisches Gymnasium), der damals einzigen höheren Schule im Land, die auch weibliche Maturanten (vorerst ausschließlich Externistinnen) zur Reifeprüfung zuließ. Alexander Rollett stand - nicht zuletzt als Rektor der Universität - dem Frauenstudium sehr kritisch gegenüber und ließ sich erst nach inständigem Bitten seiner Tochter und der entschiedenen Fürsprache durch den späteren Nobelpreisträger Fritz Pregl (damals sein Assistent) dazu bewegen, ihr das Universitätsstudium zu gestatten. Friedrich Kraus, um die Jahrhundertwende Vorstand der Grazer Medizinischen Klinik, erwähnte ihre geniale Veranlagung in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift. Mit Bitternis erinnerte sie sich Zeit ihres Lebens daran, dass ihr geliebter Vater den 9. Dezember 1905 nicht mehr erleben durfte, als sie ganz alleine in der Aula der neuen Universität zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert wurde.

 

1906 wurde Dr. Oktavia Rollett am Grazer Landeskrankenhaus als Volontärin (unbezahlte Hilfsärztin) zugelassen. Ihr im selben Jahr gestelltes Ansuchen um eine bezahlte Anstellung stieß dann jedoch von Seiten des Landes auf Ablehnung: Frauen durften hier nicht Sekundararzt werden. Diese Bestimmung wurde zwar erst 1912 (aufgrund großen Ärztemangels im Eröffnungsjahr des Grazer Krankenhausneubaues) aufgehoben, galt jedoch nicht für Privatspitäler. So war es möglich, dass Dr. Oktavia Rollett im Oktober 1906 als erste Frau in Österreich Sekundarärztin wurde, und zwar am Grazer Anna-Kinderspital. Nicht möglich war ihr die Erlangung eines zweiten Doktorates, weil der zuständige Professor 1907 die Annahme ihrer Dissertationsschrift für das Fach Chemie ablehnte. Im selben Jahr eröffnete sie am 28. September eine eigene Privatpraxis in Graz, Humboldtstraße 17. Ihr erster Patient war eine Patientin. Der Anteil männlicher Patienten sollte erst allmählich zunehmen.

 

Nachdem ein erster Heiratskandidat von Dr. Oktavia Rollett die Aufgabe ihrer Berufstätigkeit als Ärztin gefordert hätte, vermählte sie sich am 21. Juli 1908 mit dem Arzt Dr. Walter Aigner, den sie während des gemeinsamen Studiums bei einem Praktikum im Grazer Landeskrankenhaus kennen gelernt hatte. Bis 1920 gebar sie ihm drei Söhne. Daneben betrieb sie durch zwei Weltkriege und über viereinhalb Jahrzehnte ihre Praxis, die von weit über 15 000 Patienten frequentiert wurde und der Familie in schwerer Zeit das lebensnotwendige Einkommen sicherte.

 
Das Leben der ersten steirischen Ärztin, die im Alter von 82 Jahren starb († 22. Mai 1959), war geprägt von bedingungsloser Unabhängigkeit im Denken und herzlicher Verbundenheit mit der leidenden Kreatur. Sie gehörte keiner politischen Partei an, dafür zahlreichen Vereinsorganisationen, insbesondere auch Frauenvereinen und Tierschutzvereinen. Pelzmäntel und Kalbfleisch verweigerte sie aufgrund ihrer ethischen Überzeugung. Ihre energische und geradlinige Wesensart verband sich mit einem trockenen Humor. Besondere Verehrung brachte sie der Friedensnobelpreisträgerin (1905) Bertha von Suttner entgegen. Anlässlich des 90-Jahr-Jubiläums von Dr. Oktavia Rolletts Praxiseröffnung wurde in Graz am Rosenhain die Aigner-Rollett-Allee nach ihr benannt.

 

Quellen:

Norbert Weiss: "Meine Herren, meine Damen". Erinnerungen an die erste steirische Ärztin, Dr. Oktavia Aigner-Rollett, zum Jubiläum „100 Jahre Ärztinnen an steirischen Landesspitälern“.

Kurzfassung: Erinnerungen an Dr. Oktavia Aigner-Rollett. Die erste steirische Ärztin trat vor hundert Jahren ihren Dienst am Grazer Landeskrankenhaus an. In Gsund. Menschen helfen Menschen. Nr 50 Juni 2006. Seite 18.

Langfassung: G'sund.net > G'sund Online > Porträt > Auf den Spuren von ... | Ausgabe 50: Juni 2006 | www.gsund.net  

 

Dankenswerterweise wurde die Übernahme des Textes mit Quellenangabe von der Gsund-Redaktion der KAGes genehmigt.

Gustinus Ambrosi. Ein begnadeten Bildhauer

Text und Fotos: Reinhard A. Sudy

2016/2019. Der in Eisenstadt geborene und in vielen europäischen Städten und Ländern wirkende Gustinus Ambrosi (1893-1975) war zu seiner Zeit einer der bedeutendsten Bildhauer, der Büsten gleich von drei Päpsten geschaffen hat. Im Wiener Augarten wurde für ihn in den 1950er Jahren sogar ein eigener, ebenerdiger Gebäudekomplex mit Wohnhaus, Atelier, offener Säulenhalle und Ausstellungbau sowie Pförtnerhaus errichtet, der 1978 zum Gustinus Ambrosi Museum wurde. Es wird heute von der Österreichische Galerie Belvedere betreut und zeigt nach Umbauten und Neu-Nutzungen nur mehr einen kleinen Teil der weit über 200 vom Künstler an die Republik Österreich übergebenen Arbeiten: Es sind weitestgehend naturgetreue und eher zurückhaltend idealisierte Skulpturen und Porträt-Büsten von den Großen ihrer Zeit in Marmor, Bronze und Gips und auch von sich selbst.

© Reinhard A. Sudy

Spurensuche in Graz und in der Steiermark 

Vielen Älteren sind die Arbeiten des österreichischen 'Bildhauers, Philosophen und Dichters' Gustinus Ambrosi - so die Inschrift am beeindruckend-schlichten Ehren-Grabmal im Grazer St. Leonhard-Friedhof - in guter Erinnerung. Seine oft akribisch anmutende Detail-Genauigkeit beeindruckt auch die jüngere Generation. Und dennoch scheint er in den letzten Jahrzehnten an Wertschätzung verloren zu haben.

© Reinhard A. Sudy
© Reinhard A. Sudy

Wie sehr Gustinus Ambrosi die Weststeiermark und seine neue Heimatgemeinde kannte und schätzte, zeigt ein 2014 gedrehter und auch als DVD erhältlicher Kurz-Film über sein Leben und Wirken und mit den Interviews von Zeitzeugen wie dem Alt-Bürgermeister und Wegbereiter des Ambrosi-Museums Adolf Pinegger, Anton Reiter oder Sophie Heri. Dazu gehört wohl auch das Wissen um seine Vorliebe für die regionale Küche wie gekochtes Rindfleisch mit Kürbisgemüse und Röstkartoffel, einfache Köstlichkeiten, die es während seiner Arbeiten an den Büsten dreier Päpste wohl nicht gegeben hat.

Ambrosis Alterssitz in Stallhofen - heute ein Museum

Ganz anders als in Wien ist es mit dem von Gustinus Ambrosi bis ins kleinste Detail selbst geplanten und gebauten Haus in Stallhofen, das nur wenige Schritte von der römisch-katholischen Pfarrkirche entfernt ist. Sogar für die Türgriffe hat er Zeichnungen angefertigt. Aus einem ‚Häuschen‘ für seinen Lebensabend wurde eine prachtvolle und geräumige toskanische Villa auf einem kleinen Plateau, von hohen Bäumen gesäumt und mit einer weiten Sicht über das Tal des Södingbachs. Als sie beinahe fertig war starb Gustinus Ambrosi auf tragische Weise. Seine Frau Beata hat die Arbeiten aber nach seinen Plänen zu Ende geführt, die Räume nach seinen Vorstellungen eingerichtet und lebte dann selbst einige Jahre darin. Neben dem wertvollen Mobiliar hat sie auch eine Auswahl von ihm geschaffenen Skulpturen in den Räumen aufgestellt. Seit 1985 ist das kleine Anwesen als Ambrosi-Museum und Gedenkstätte im Besitz der Marktgemeinde Stallhofen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden.

© Reinhard A. Sudy

Bei einem Rundgang durch dieses faszinierende Ambrosi-Museum wird mir die ganze Genialität des Künstlers bewußt, der schon früh sein Gehör und knapp vor seinem Tod auch noch den Geschmack- und Geruchsinn verloren hat. Tief beeindruckt hat mich auch die detaillierte und kraftvolle Gestaltung der Arbeiten, wie z. B. die berühmte Plastik ‚Der Mann mit dem gebrochenen Genick', die der Künstler im Alter von 15 Jahren aus der Erinnerung an einen tragischen Arbeitsunfall geschaffen hat.

Das überragende handwerkliche Geschick und Schaffen des Meisters des plastischen Porträts zeigt sich zum Beispiel an den Büsten der Päpste Pius XI., Pius XII. und Johannes XXIII. oder der österreichischen Bundespräsidenten Dr. Karl Renner, Dr. Theodor Körner und Dr. Adolf Schärf. 

 

 

Quellen: 

1. Reinhard Sudy: Arzt rettet Bildhauer. In: AERZTE Steiermark. Das Magazin der Ärztekammer Steiermark. Ausgabe Juli, August 2016. Seite 14 - 15.

2. www.reisepanorama.at | Peter Steinkellner. Leben zwischen Praxis und Kunst > Stallhofen. Gustinus Ambrosi und Peter Steinkellner

Johann Leopold Auenbrugger

Text: Bernd Mader

Fotos: Reinhard A. Sudy

Geboren am Auenbruggerplatz Nr. 18 - so steht es in der Geburtsurkunde jener Steirer, die im Landeskrankenhaus-Universitätsklinikum Graz geboren worden sind. Doch die wenigsten von ihnen wissen, wer Auenbrugger war. Dabei ist Johann Leopold Auenbrugger der international bekannteste Mediziner, der bisher in Graz zur Welt gekommen ist. So war es auch keineswegs verwunderlich, dass bei der Betriebsaufnahme des damaligen Landeskrankenhauses Graz 1912 an diesen berühmten Mediziners gedacht wurde und das gesamte Gelände die Adresse „Auenbruggerplatz" erhielt. Auch das Siegel der 2004 gegründeten Medizinischen Universität Graz weist in seiner linken Hälfte ein Bildnis dieses berühmten Mediziners auf.

Jugendzeit

Folgt man seinen wenigen Spuren in Graz, so kann man am Geburtshaus Griesgasse Nr. 2 eine kleine Gedenktafel mit folgendem Text entdecken: „In diesem Hause wurde Leopold von Auenbrugger am 19. November 1722 geboren."

Das Geburtshaus von Johann Leopold Auenbrugger an der Ecke Südtirolerplatz / Griesgasse mit einer Gedenktafel beim Eingangstor Griesgasse Nr. 2. Foto: Reinhard A. Sudy

Leopold Auenbrugger war das viertälteste von sieben Kindern von Sebastian Auenbrugger und dessen Gattin Maria Theresia, geborene Koschutnik. Zu dieser Zeit war sein Vater der „Mohrenwirt", ein bekannter und auch recht wohlhabender Bürger in Graz.

Leopold Auenbrugger wuchs vorerst im unmittelbaren Umfeld der väterlichen Gaststätte auf. Sein Vater Sebastian wollte offenbar, dass Leopold „etwas Besseres" werden sollte und so schickte er ihn aufs Jesuitengymnasium. Nach Beendigung der Gymnasialzeit ermöglichte der Vater ihm ein Medizinstudium in Wien.

Studienzeit

1743 kam es zu einem raschen wirtschaftlichen Abstieg der Familie Auenbrugger. Der Vater und wenig später auch dessen älteste Tochter starben. Das Haus am Murvorstadtplatz und auch aller weiterer Besitz gingen verloren.
Aus der Studienzeit von Leopold Auenbrugger wissen wir wenig. Wir können jedoch annehmen, dass ihm nach dem Tod des Vaters keinerlei finanzielle Unterstützung zukam. Im Dreifaltigkeitsspital am Rennweg war er 1746 als Kostschüler eingeschrieben, ein Jahr später bekam er ein Stipendium. Am 18. November 1752 promovierte Leopold Auenbrugger. Nach Beendigung des Medizinstudiums blieb er in Wien und erwählte die Kaiserstadt bis zu seinem Lebensende als ständigen Wohnsitz. 

Weiterer Werdegang und Gedenktafel

Seine erste Anstellung erhielt Leopold Auenbrugger im Spanischen Militärspital. 1758 wurde er dort dann Primararzt, verlor jedoch 1762 diese Anstellung und widmete sich von nun an ausschließlich seiner ausgedehnten Praxis.
Leopold Auenbrugger ehelichte 1754 Marianne von Priesterberg. 1783 suchte er um Verleihung eines Adelsprädikats an, welches ihm auch im Jahr darauf durch Josef II verliehen wurde. Er durfte sich nun „Edler von Auenbrugg" nennen. Am 18. Mai 1809 starb Auenbrugger in Wien im Haus Neuer Markt Nr. 9 an Altersschwäche.
Anlässlich seines 100. Todestages enthüllte die Wiener Ärzteschaft an seinem Sterbehaus eine Gedenktafel folgenden Inhalts: „STERBEHAUS DES MEDICINAE DOCTOR Leopold Auenbrugger Edler von Auenbrugg Erfinder der Perkussion DES BRUSTKORBES geb. 19. November 1722 gest. 18. Mai 1809 A.D.

Entdeckung der Perkussion

Von 1754 an beschäftigte sich Leopold Auenbrugger sieben Jahre lang mit den Schallunterschieden, die er beim Beklopfen der menschlichen Brustwand feststellen konnte. Ihn beschäftigte das Phänomen des dumpfen Tones an Stellen, wo durch Flüssigkeit oder feste Masse das Volumen der Luft vermindert ist. Experimentell wies er nach, dass die Schalldämpfung soweit reichte, wie die darin enthaltene Flüssigkeit. Um diese Theorie zu untermauern, experimentierte er vorerst mit Fässern, die er unterschiedlich hoch mit Wasser angefüllt hatte, später waren es auch Leichen, in deren Brustkorb er Wasser injiziert hatte.
All diese Versuche führten letztlich zu jener Entdeckung, die als „Perkussion" (vom lat. percussio: Schlag, Stoß) in der medizinischen Diagnostik ihren festen Platz hat.

Anekdotenhaft wird diese Entdeckung stets zusammen mit folgender Geschichte erzählt: Im elterlichen Betrieb in Graz, dem „Mohrenwirt", habe Leopold Auenbrugger seinen Vater immer wieder beobachten können, wie dieser durch Klopfen an den Fässern Rückschlüsse auf eine noch darin vorhandene Weinmenge gewinnen wollte. Als Leopold Auerbrugger Arzt geworden war, erinnerte er sich offenbar an dieses Tun seines Vaters. Er hatte in der Folge den genialen Einfall, diese Methode auch beim Menschen anzuwenden.

Der „Mohrenwirt“ in der Mariahilferstraße Nr. 16, das einstige Gasthaus des Vaters von Johann Leopold Auenbrugger. Foto: Reinhard A. Sudy
Der lange Weg der Anerkennung

1761 erschien in Wien jene Schrift, die Leopold Auenbrugger berühmt machte, natürlich in lateinischer Sprache. Ihr Titel lautete: „Inventum novum ex percussione thoracis humani ut signo abstrusos interni pectoris morbos detegendi" („Neue Erfindung, mittels Beklopfen des menschlichen Brustkorbs Zeichen zur Erkennung verborgener Krankheiten der Brusthöhle zu gewinnen").
Es waren aber seine beiden Wiener Lehrer Gerard van Swieten und Anton de Haen, die eine ablehnende Haltung gegenüber dieser Methode einnahmen. Erst Maximilian Stoll, der Nachfolger de Haens setzte sich mit der Perkussion auseinander. Der Durchbruch mit dieser Methode gelang aber erst, als der Leibarzt Kaiser Napoleons, Jean Nicolas Corvisart (1755-1821), 1808 eine neuerliche französische Übersetzung herausbrachte und den Verdienst Auenbruggers besonders hervorhob. Auenbrugger konnte diesen Triumph noch erleben.

 

Forscher und Musikliebhaber

Doch der rege Forschungsgeist Leopold Auenbruggers hatte sich darüber hinaus mit vielen anderen medizinischen Problemen beschäftigt. 1761 veröffentlichte er eine Arbeit über die Lungenkrankheiten der Steinbrucharbeiter, 18 Jahre später (1779) erschien in Wien die Schrift „Heilart der epidemischen Ruhr im Jahre 1779".
Leopold Auenbrugger besaß ein geschultes, feines Gehör. So war es nicht verwunderlich, dass er auch als Musikliebhaber im musikalischen Wien einen bedeutenden Platz einnahm. Leopold Auenbrugger veranstaltete in seinem Haus beliebte Musikmatineen, an denen auch Haydn und Mozart teilgenommen haben.. Zu Antonio Salieris (1750-1825) musikalischem Lustspiel „Der Rauchfangkehrer" (1781) und zu dessen Oper „Der listige Kaminfeger" oder „Die bestraften Spröden" (1790) verfasste er das Textbuch.

 

Quellen:

Bernd Mader: Johann Leopold Auenbrugger. Auf den Spuren dieses berühmten, in Graz geborenen Mediziners. 

Kurzfassung: Gsund. Menschen helfen Menschen. Nr 50 Juni 2006. Seite 30.

Langfassung: G'sund.net > G'sund Online > Porträt > Auf den Spuren von ... | Ausgabe 50: Juni 2006 | www.gsund.net  

 

Dankenswerterweise wurde die Übernahme des Textes mit Quellenangabe von der Gsund-Redaktion der KAGes genehmigt.

 

Weitere Quellen:

Bernd Mader. Johann Leopold Auenbrugger, Edler von Auenbrugg (1722 - 1809). In: Blätter für Heimatkunde. Heft 2/3 (2005).

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